«Wollen keinen zweiten Lockdown» - Kretschmer warnt vor Risiko-Reisen

09.10.2020 17:07

Sachsens Regierungschef sieht den Freistaat in den nächsten Wochen
vor einer Bewährungsprobe. Er warnt vor Reisen in Risikogebiete.
Zugleich soll es in Sachsen Ausnahmen beim Beherbergungsverbot geben.

Dresden (dpa/sn) - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer
(CDU) hat mit Blick auf die Herbstferien vor Reisen in Risikogebiete
gewarnt. «Wir merken jetzt, dass die nachlassende Umsicht zu einem
höheren Infektionsgeschehen führt», sagte er am Freitag in Dresden.
Zuvor hatte sich Kretschmer mit mehreren Ministern, kommunalen
Spitzenverbänden und Krankenhaus-Koordinatoren zur aktuellen
Corona-Situation im Freistaat verständigt.

Es gebe ausgewiesene Risikogebiete in Deutschland, Europa und der
Welt. «Es ist absolut unvernünftig, im Zuge der Herbstferien dorthin
zu fahren», betonte Kretschmer. Er machte vor allem Reiserückkehrer
sowie einen sorglosen Umgang mit den Corona-Regeln auf Privatfeiern
für den Anstieg der Infektionen verantwortlich. Der Regierungschef
rief die Menschen auf, verantwortlich zu handeln. «Wir wollen keinen
zweiten Lockdown.» Sachsen stehe nun vor einer Bewährungsprobe von
Oktober bis Ostern.

Im Freistaat war die Zahl der Neuinfektionen zuletzt deutlich
gestiegen. Am Freitagnachmittag wurden im Vergleich zum Vortag 215
nachgewiesene Ansteckungen registriert. Seit der Beginn der Pandemie
haben sich im Freistaat damit 8131 mit dem Coronavirus infiziert. Vor
allem im Erzgebirgskreis, aber auch in der Landeshauptstadt gingen
zuletzt die Fälle sprunghaft nach oben.

Die Städte und Landkreise blieben aber weiter unter dem kritischen
Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen.
Dennoch kämen die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von
Kontakten vielerorts an ihre Grenzen, so Kretschmer. In einigen
Fällen sei bereits die Bundeswehr eingesprungen. Diese habe auch für
die kommenden Monate Hilfe angeboten. Sachsens Regierungschef
kündigte zudem an, sich bei Gesprächen mit Bundeskanzlerin Merkel für

Pauschalen für vorgehaltene Krankenhausbetten einzusetzen.

Zudem machte Kretschmer deutlich, dass er keinen Anlass für eine
Verschärfung der Corona-Maßnahmen sieht. Sachsen will demnach bei
seiner «Hotspot-Strategie» bleiben, um eine Ausbreitung der Pandemie
lokal zu bekämpfen. In Sachsen müssen bereits ab 35 Neuinfektionen
regional erste Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden; ab 20
Fällen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen dürfen
keine Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen stattfinden. Das
ist derzeit in Dresden, den Kreisen Bautzen, Meißen, Zwickau sowie im
Erzgebirge der Fall. So sind neben Sportveranstaltungen größere
Messen, Konzerte oder Jahrmärkte verboten.

Was das Beherbungsverbot betrifft, kündigte Kretschmer mit
Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) dennoch eine leichte
Lockerung des Beherbergungsverbotes für innerdeutsche Reisende aus
Risikogebieten zum 3. November an: Menschen, die aus
unternehmerischen oder sozialen Gründen nach Sachsen kommen, sollen
dann in Hotels oder Pensionen unterkommen dürfen. Ab nächsten Montag
will das Ministerium zudem wieder eine Telefonhotline schalten.

Ebenfalls am Freitag verständigten sich die elf größten Städte in
Deutschland auf einen Acht-Punkte-Plan, um den stark gestiegenen
Corona-Infektionszahlen begegnen - darunter auch Leipzig. «Wir
wollen auf jeden Fall verhindern, dass Kinder nicht mehr die Kitas
und die Schulen besuchen können. Wir wollen alles dafür tun, dass
wirtschaftliche Entwicklungen nicht gebremst werden», sagte
Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) in Leipzig nach einer
Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

So sollen auf Bitten der jeweiligen Großstadt die Bundeswehr und das
Robert Koch-Institut künftig Experten in Corona-Hotspots schicken,
wenn in sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner
registriert wurden. Spätestens wenn der Wert auf 50 Infektionen
steigt, sollen die Städte umfangreichere Beschränkungen einführen.
Dann drohen etwa die Erweiterungen der Maskenpflicht auf den
öffentlichen Raum, Sperrstunden und Begrenzungen für private Feiern.