Trotz Erkrankung: Trump will am Wochenende wieder Wahlkampf machen

09.10.2020 14:54

Donald Trump bekommt trotz seiner Covid-Erkrankung grünes Licht vom
Arzt, noch diese Woche wieder Wahlkampf zu machen. Der Präsident will
nun in den wichtigen Staaten Florida und Pennsylvania auftreten.

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will noch an diesem
Wochenende wieder mit Auftritten in den Wahlkampf zurück. Der
74-Jährige kündigte in einem Telefon-Interview mit dem TV-Sender Fox
News an, am Samstag nach Florida und dann am Sonntag nach
Pennsylvania zu fahren. Seinem Leibarzt zufolge hat Trump die ihm
verschriebene Behandlung wegen seiner Corona-Infektion abgeschlossen.
Von Samstag an dürfe er wieder öffentliche Termine absolvieren. Die
vergangenen Tage hatte Trump nach seiner Entlassung aus dem
Krankenhaus im Weißen Haus verbracht.

Der republikanische Präsident schränkte in dem Interview ein, dass
man die Wahlkampf-Veranstaltungen am Wochenende erst noch
organisieren müsse. Florida und Pennsylvania sind bei der
Präsidentenwahl am 3. November wichtige Bundesstaaten, in denen es zu
einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen könnte. Jüngste Umfragen sehen dort
Trumps demokratischen Herausforderer Joe Biden vorn. Auch landesweit
sprechen die Umfragen derzeit eher für Biden (77).

Während das Weiße Haus seit Tagen betont, dass Trump keine
Krankheitssymptome mehr habe, musste er in dem gut 20-minütigen
Interview am Donnerstagabend (Ortszeit) zwei Mal mitten im Satz wegen
Problemen mit der Stimme und Husten pausieren. Er solle am Freitag
wieder getestet werden, sagte Trump. Zuvor hatte er eine
entsprechende Frage des TV-Moderators Sean Hannity zwei Mal
ignoriert.

Trumps Leibarzt Sean Conley machte zuvor nur vage Angaben dazu, warum
der Präsident wieder in die Öffentlichkeit dürfe. Der kommende
Samstag werde der zehnte Tag nach Trumps positivem Coronavirus-Test
am Donnerstag vergangener Woche sein, schrieb Conley in einem
Gesundheits-Update. «Ich erwarte die sichere Rückkehr des Präsidenten

zu öffentlichen Terminen zu diesem Zeitpunkt.» Conley verwies auch
auf «die Kurve bei fortschrittlicher Diagnostik».

Zehn Tage gelten generell als die Zeit, nach der Corona-Patienten
nicht mehr ansteckend sind. Allerdings weisen Experten darauf hin,
dass dies vor allem für leichte Fälle gelte und der Zeitraum in
Einzelfällen sowie je nach Behandlung unterschiedlich sein kann. «Ich
denke nicht, dass ich ansteckend bin», sagte Trump zuvor am Morgen in
einem ersten knapp einstündigen Telefoninterview mit Fox.

Trump war nach drei Nächten im Krankenhaus am Montagabend ins Weiße
Haus zurückgekehrt. Er war unter anderem mit einem experimentellen
Antikörper-Mittel sowie mit Steroiden behandelt worden. «Insgesamt
hat er sehr gut auf die Behandlung angesprochen», erklärte der
Leibarzt. Es gebe keine Hinweise auf ein Fortschreiten der Krankheit.

Conley zufolge lag die Sauerstoffsättigung von Trumps Blut am
Donnerstagnachmittag bei 96 bis 98 Prozent. Das ist ein wichtiger
Wert bei Corona-Patienten, weil das Virus die Lunge angreifen kann.
Trump war vergangene Woche zusätzlicher Sauerstoff verabreicht
worden, nachdem der Sättigungswert unter 94 Prozent gefallen war.

Conley machte keine Angaben zu Trumps Temperatur. Zuletzt hatte es
stets nur geheißen, dass Trump wieder fieberfrei sei - und Conley
gibt nicht heraus, wie hoch das Fieber vergangene Woche in der Spitze
war. Der Weiße Haus weigert sich auch zu sagen, wann Trump zuletzt
einen negativen Corona-Test hatte. Der Leibarzt stellte sich seit
Trumps Entlassung aus der Klinik nicht mehr Fragen von Journalisten.
Auch von Trump sah man seit Montag nicht viel. Der Präsident
veröffentlichte lediglich drei kurze Videos bei Twitter.