Ärzteverband fordert Solidarität für mehr Corona-Schwerpunktpraxen

09.10.2020 10:15

Stuttgart/Biberach (dpa/lsw) - Der Hausärzteverband ruft
niedergelassene Mediziner im Südwesten angesichts der bevorstehenden
Grippesaison dazu auf, Corona-Schwerpunktpraxen (CSP) einzurichten.
Die bestehenden 900 Praxen seien mit der Aufgabe überfordert, alle
Menschen mit Erkältungssymptomen auf Corona zu testen, zugleich die
wegen der Pandemie empfohlene Grippeimpfung vorzunehmen und die
Grundversorgung zu sichern, sagte Landesverbandsvize Frank-Dieter
Braun der Deutschen Presse-Agentur.

Als Grund für die Zurückhaltung seiner Kollegen nannte der Betreiber
einer Corona-Schwerpunktpraxis in Biberach die aus seiner Sicht
unzureichende Vergütung von 15 Euro pro Abstrich. «Die
Corona-Abstriche sind personell und organisatorisch sehr aufwendig
und nicht kostendeckend.»

Eine CSP ist eine reguläre Haus- oder Facharztpraxis, die für
Corona-Verdachtsfälle spezielle Sprechstunden vorhält. Besteht ein
Coronaverdacht, gelten deutlich erweiterte Sicherheitsstandards und
eine strikte Trennung von den übrigen Patienten der Praxis.
Niedergelassene Haus- und Kinderärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und
Lungenärzte können sich als CSP bei der Kassenärztlichen Vereinigung

registrieren. Laut Braun sind von den bestehenden Schwerpunktpraxen
90 Prozent von Hausärzten eingerichtet worden. Aus seiner Sicht sind
dezentrale Corona-Praxen geeigneter als zentrale Abstrichstellen, da
dort weniger Menschen an einem  Punkt zusammentreffen.

Braun forderte mehr Solidarität untereinander, schließlich gebe es im

Südwesten 5000 niedergelassene Hausärzte und die Tests könnten auch
andere Fachärzte vornehmen. Es sei wichtig, andere Fachrichtungen ins
Boot zu holen, da viele Allgemeinmediziner schon im Rentenalter seien
und somit der Risikogruppe angehörten. «Wenn wir uns anstecken, wäre

das eine Katastrophe für die weiteren Corona-Tests und
Influenzaimpfungen», sagte der 66-Jährige, der im Jahr 600 bis 700
Grippeimpfungen vornimmt.

«Nach den Appellen, sich gegen Influenza impfen zu lassen, nimmt das
Interesse merklich zu.» Er habe im Frühjahr bereits 20 Prozent mehr
Impfdosen als sonst bestellt. Ein Nachschlag sei nicht möglich, da
die Herstellung des Impfstoffes mehrere Monate dauere. Insgesamt
stehen 25 Millionen Dosen für 82 Millionen Einwohner bereit. Kein
Grund zur Panik, meint Braun. «Auch wenn sich nur jeder Dritte impfen
lässt, trägt das zur Eindämmung der Influenza bei.» Der
Hausärzteverband hat in Baden-Württemberg 4000 Mitglieder.