Steigende Infektionszahlen in NRW-Metropolen beschäftigen Kanzlerin

09.10.2020 05:23

Steigende Infektionszahlen in vielen Städten und Kreisen in NRW
alarmieren längst nicht mehr nur die dortigen Gesundheitsbehörden. An
diesem Freitag berät die Kanzlerin mit den Oberhäuptern deutscher
Großstädte die kritische Lage - vier NRW-Metropolen gehören dazu.

Düsseldorf/Köln(dpa/lnw) - Die Corona-Pandemie wird zunehmend zu
einem Problem der Großstädte und Ballungszentren in
Nordrhein-Westfalen. Vier Oberbürgermeister aus NRW nehmen deshalb am
Freitag (12.30 Uhr) an einer Videoschalte mit Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) zur Corona-Lage teil. Merkel hat dazu die Rathauschefs
der elf größten deutschen Städte eingeladen. Aus NRW sind die
Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dortmund, Köln und Essen dabei.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte der
Deutschen Presse-Agentur, dass alle Großstädte - wie viele andere
Regionen in Deutschland auch - erneut in eine «ernste Phase»
einträten. «Auch wenn wir diesmal noch besser vorbereitet sind als im
Frühjahr, finde ich es gut, dass sich die Bundeskanzlerin direkt mit
den Kommunen bespricht», sagte sie. Die Kommunen seien für die Bürg
er
die ersten Ansprechpartner und kämpften jeden Tag «für die Umsetzung

und die Akzeptanz der getroffenen Maßnahmen.»

Immer mehr NRW-Kommunen, darunter nach Hamm und Remscheid auch
weitere große Städte wie Aachen, Wuppertal und Hagen, haben zur
Eindämmung der Pandemie bereits strengere Maßnahmen verhängt. Die
Stadt Siegburg bei Bonn schickte alle Schülerinnen und Schüler
vorzeitig in die Herbstferien - wegen der vielen neuen Corona-Fälle
bleiben dort an diesem Freitag alle Schulen geschlossen. Bielefeld
hat die Bundeswehr um Amtshilfe bei der Kontaktnachverfolgung
gebeten, nachdem ein Corona-Infizierter am Wochenende auf zwei
Hochzeiten mit je 150 Gästen gefeiert hatte.

Die landesweite Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in
sieben Tagen war in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag auf 27,0
geklettert - das ist der höchste Wert aller deutschen Flächenländer.

Was im Einzelnen vor Ort und ab wann gilt, wird dabei immer mehr zum
Flickenteppich.

Die nordrhein-westfälische Corona-Schutzverordnung schreibt vor, dass
Kreise und kreisfreie Städte mit mehr als 50 Neuinfektionen pro
100 000 Einwohner in einer Woche zwingend Einschränkungen für das
öffentliche Leben erlassen müssen. So sieht die Landesregierung unter
anderem vor, dass Feiern außer Haus dann nur noch aus besonderem
Anlass und mit höchsten 25 Teilnehmern erlaubt sind. Mehrere Städte
und Kreise haben in dieser Situation außerdem die Maskenpflicht im
Schulunterricht wieder eingeführt, die Teilnehmerzahl bei
Veranstaltungen begrenzt oder bestimmt, dass sich in der
Öffentlichkeit nur noch in Gruppen aus maximal fünf Menschen treffen
dürfen.

In Erwartung, demnächst über dem Warnwert von 50 zu liegen, hatte
Solingen bereits am Donnerstag Einschränkungen ab Samstag
angekündigt. Andernorts waren die Behörden von der Dynamik des
Infektionsgeschehens überrascht worden: Im Kreis Unna hatte es am
Donnerstag so viele Neuinfektionen gegeben, dass die sogenannte
7-Tages-Inzidenz innerhalb eines Tages von 35 auf mehr als 50
geklettert war.