Hamburger Hospize begleiten Sterbende auch in Corona-Zeiten

07.10.2020 06:30

Die Corona-Kontaktbeschränkungen haben auch die Sterbebegleitung
erschwert. Dabei sind gerade todkranke Menschen auf Nähe und Kontakte
angewiesen. Am Welthospiztag wollen professionelle und ehrenamtliche
Sterbebegleiter auf ihre Arbeit aufmerksam machen.

Hamburg (dpa/lno) - Unter dem Motto «Solidarität bis zuletzt» wollen

Hospize und Palliativdienste am Samstag auf ihre Arbeit aufmerksam
machen. Viele Veranstaltungen zum Welthospiztag und in der sich
anschließenden Hamburger Hospizwoche finden in diesem Jahr online
statt. Die Corona-Pandemie habe die Tätigkeit der professionellen und
ehrenamtlichen Helfer eingeschränkt, aber nicht völlig unterbrochen,
sagte die Leiterin der Hamburger Koordinierungsstelle, Ina Voigt.

Zu keiner Zeit habe es einen Aufnahmestopp in den neun Hamburger
Hospizen gegeben. Die Betreuung sterbenskranker Menschen sei auf
jeden Fall möglich. Mit Schutzausrüstung hätten professionelle Helfer

auch Covid-19-Patienten ambulant betreut. Allerdings erschweren die
weiterhin geltenden Kontaktbeschränkungen die Arbeit. Voigt betonte
jedoch: «Menschliche Nähe und Kontakt sind in dieser Situation
essenziell.»

Die Pandemie hat das Engagement der Ehrenamtlichen stark
beeinträchtigt. Viele der Helfer gehörten selbst zur Risikogruppe und
hätten sich im März erst einmal zurückgezogen. Andere hätten Briefe

an betreute Kranke geschrieben, Hotlines eingerichtet, Telefonate
geführt und Balkonbesuche gemacht, um die Kontakte
aufrechtzuerhalten. Seit dem Sommer gingen wieder mehr Anfragen von
Interessierten ein. Oft wollten gerade Menschen im Homeoffice etwas
Sinnvolles tun und meldeten sich für eine Ausbildung zum
ehrenamtlichen Sterbebegleiter an.

In Hamburg gebe es viele Pflegekräfte, Ärzte und mehr als 1200
Ehrenamtliche, die sich um die Bedürfnisse und die Versorgung
sterbender Menschen kümmerten, erklärte Bürgermeister Peter
Tschentscher (SPD) als Schirmherr der Hospizwoche. «Für diese
wichtige Arbeit, für dieses besondere Engagement gebührt ihnen Dank
und Anerkennung.»

Die Veranstaltungen der Hospizwoche finden zum Teil auch in der
echten Welt statt. Nach vorheriger Anmeldung können Interessierte bei
Spaziergängen mit Hospizmitarbeitern deren Arbeit kennenlernen oder
an einem Letzte-Hilfe-Kurs teilnehmen. 53 renommierte Hamburger
Künstler, darunter Udo Lindenberg, Jutta Bauer und Julia Küchmeister,
haben Kunstwerke für die Ausstellung «Zeitenwende und Heimatfieber»
gespendet. Bis zum 13. Dezember werden die Bilder zugunsten des
Vereins Hamburger Hospiz versteigert.

In Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Hospiz- und
Palliativverbandes 250 Hospize für Erwachsene und 17 für Kinder und
Jugendliche. Der Welthospiztag wird auf Initiative des Netzwerks
Worldwide Hospice and Palliative Care Alliance begangen und von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt.