Tourismusagentur rechnet mit Stornierung von Herbsturlauben im Norden

07.10.2020 06:00

Schleswig-Holstein steht wegen Quarantäneauflagen für inländische
Risikogebiete in der Kritik. Die Ausweisung kleinteiliger Gebiete ist
für die Tourismusbranche eine Herausforderung, sagt Tourismuschefin
Bettina Bunge. Sie rechnet mit Stornierungen.

Kiel (dpa/lno) - Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein
(TASH) rechnet angesichts der Corona-Pandemie mit der Stornierung von
Herbsturlauben. «Die Ausweisung kleinteiliger Risikogebiete wie jetzt
in Berlin ist für die Tourismusbranche organisatorisch und
kommunikativ eine Herausforderung», sagte Geschäftsführerin Bettina
Bunge der Deutschen Presse-Agentur. «Zudem wird die Kurzfristigkeit
von Buchungen weiter zunehmen und so den Trend verstärken.»

Für Beherbergungsbetriebe wie Gäste werde der Kommunikationsaufwand
gleichermaßen steigen, sagte Bunge. «Jeder muss sich tagesaktuell
über die Lage erkundigen, Betreiber von Unterkünften haben vermehrt
Erklärungs- und Beratungsaufwand.»

Wegen der Ausweisung inländischer Risikogebiete mit
Quarantäneauflagen für Einreisende - aktuell zum Beispiel für
Urlauber aus vier Berliner Bezirken mit hohen Corona-Zahlen und aus
den Städten Hamm und Remscheid in Nordrhein-Westfalen - ist
Schleswig-Holstein in die Kritik geraten. Für Urlauber oder
Urlaubs-Rückkehrer hat die Einstufung als Risikogebiet zur Folge,
dass sie sich im Norden sofort 14 Tage in Quarantäne begeben oder
zwei negative Corona-Tests vorweisen müssen.

Nach Angaben der Tourismusagentur ist für Schleswig-Holsteins
Tourismusbranche Nordrhein-Westfalen der wichtigste inländische
Markt. «Laut Reiseanalyse 2018 kommen 21 Prozent der
Schleswig-Holstein-Urlauber aus NRW», sagte Bunge. In diesem Ranking
belege Berlin Platz 6 zusammen mit Bayern und Baden-Württemberg.

Möglicherweise können Berliner aus Bezirken mit hohen Corona-Zahlen
doch noch Schleswig-Holstein als Reiseziel für ihren Herbsturlaub
wählen. Das Land ist grundsätzlich bereit, seine bisherige Einstufung
von inländischen Corona-Risikogebieten zu ändern. «Wir haben im
Kabinett heute intensiv beraten und es besteht eine grundsätzliche
Absicht, unsere Regelungen anzupassen», sagte Ministerpräsident
Daniel Günther (CDU) am Dienstag. Das Land wolle eine
bundeseinheitliche Regelung. Am Mittwoch ist zu diesem Thema eine
Schalte der Chefs der Staatskanzleien der Länder geplant.