Verlobter im Fall Baumer wegen Mordes verurteilt - «Lust an der Lüge»

06.10.2020 17:47

Er hat die Tat stets von sich gewiesen - nun ist im Fall Maria Baumer
der Verlobte wegen Mordes verurteilt worden. Aus Sicht des Gerichts
wollte der Krankenpfleger frei für eine neue Beziehung sein.

Regensburg (dpa) - Acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod Maria Baumers
ist das Urteil vor dem Landgericht Regensburg gesprochen: Der
Verlobte der 26-Jährigen ist am Dienstag wegen Mordes zu einer
lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Richter sind davon
überzeugt, dass der 36-Jährige für eine Beziehung mit einer Patientin

frei sein wollte. Heimtückisch und aus niederen Beweggründen tötete
der Krankenpfleger demnach seine Verlobte in der Nacht zum 25. Mai
2012 mit Medikamenten und vergrub die Leiche in einem Wald. Danach
erschuf der Mann geradezu «lustvoll», wie es Vorsitzender Richter
Michael Hammer formulierte, ein Lügengebilde, um die Angehörigen zu
täuschen.

Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Der
Angeklagte, dem bei der Verkündung sein Bruder zur Seite stand,
verfolgte die Ausführungen des Richters mit regungslosem Gesicht.
Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Einer der Verteidiger
kündigte an, in Revision gehen zu wollen.

Aus Sicht der Schwurgerichtskammer steht nach einem dreimonatigen
Indizienprozess fest, dass Maria Baumer die Mischung aus Lorazepam
und Tramadol nicht bewusst selbst einnahm. Der 36-Jährige habe sie
ihr verabreicht - vermutlich in einem Kakao - mit dem Ziel, sie zu
töten. «Sie war so arg- und wehrlos wie ein Mensch nur sein kann.»

Der Angeklagte habe eine Trennung vermeiden wollen. Sonst hätte er
seiner Familie und den Angehörigen Baumers gegenüber zugeben müssen,

dass er sich während der Vorbereitungen für die Hochzeit einer
anderen Frau zugewandt und zudem das Studium vernachlässigt hatte.
Die Tötung Marias habe dem Mann überdies die Möglichkeit geboten,
selbst die Rolle eines Opfers einzunehmen.

Bemerkenswert sei auch der Auftritt des Verlobten in der ZDF-Sendung
«Aktenzeichen xy ... ungelöst» wenige Monate nach dem Tod Baumers
gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Dort habe er sich in Szene
gesetzt und behauptet, das Studium auf Eis gelegt zu haben, weil er
sich nach dem Verschwinden seiner Verlobten nicht mehr konzentrieren
könne. Er sei «weitgehend scheinfrei», was gelogen war.

Die Leiche Baumers war im September 2013 von Pilzsammlern in einem
Wald gefunden worden. Der Verlobte galt damals bereits als verdächtig
und saß sechs Wochen in Untersuchungshaft. Aufgrund neuer
Ermittlungsergebnisse wurde er im Dezember 2019 erneut festgenommen.