Drosten: Familienbesuche durch Vorquarantäne sicherer machen

06.10.2020 16:03

Berlin (dpa) - Familientreffen im Herbst und Winter hält der Virologe
Christian Drosten trotz Corona-Pandemie unter gewissen
Voraussetzungen für vertretbar. «Ich halte das Prinzip der
Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage,
optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa
soziale Kontakte so gut es geht vermeiden», sagte der Berliner
Wissenschaftler in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der
Wochenzeitung «Die Zeit».

Durch die Zeit mit weniger Kontakten senke man das Risiko für eine
Infektion. «Wenn überhaupt, dann hat man sich vielleicht eher in der
Woche zuvor angesteckt, und dass in diesem Fall alle aus der Familie
symptomfrei bleiben, ist eher unwahrscheinlich», so der Experte der
Charité. «Das könnte ein Ansatz sein für die kommende Zeit, jetzt f
ür
die Herbstferien und vielleicht auch für Weihnachten.» Aber es
blieben immer Restrisiken. Drosten machte deutlich, dass man auch auf
mögliche Symptome wie eine laufende Nase und leichtes Halskratzen
achten und bei solchen Krankheitsanzeichen zu Hause bleiben sollte.

Im aktuellen Pandemieverlauf sei er in einem «Zustand der gespannten
Aufmerksamkeit», sagte Drosten. «Wir befinden uns in einer Phase, in
der es vonseiten der Medizin keine größeren Probleme gibt - im Sinne
überfüllter Krankenhäuser und Intensivstationen -, in der wir aber
aufpassen müssen, dass es dazu auch nicht kommt.» Man müsse beim
Coronavirus früh reagieren. Drosten zeigte sich aber durchaus
optimistisch: «Wir haben in Deutschland eine realistische Chance,
besser durch Herbst und Winter zu kommen als viele andere Länder.»

Zur derzeitigen Debatte um die Zahlen, an denen man sich in der
Pandemie orientieren sollte,machte Drosten einen Vorschlag: «Man
könnte nicht nur die Infizierten zählen, sondern gesondert auch die
Infizierten über 50 Jahre. Anhand dieser Zahl könnte man gut
prognostizieren, mit wie viel schweren Verläufen man demnächst
rechnen muss.»

Zu seinem Alltag als inzwischen bekannter Wissenschaftler erklärte er
«Ich wünsche mir, dass diese Pandemie so schnell wie möglich vorbei
ist und ich mich dann wieder auf die normale Arbeit konzentrieren
kann. Und ich wünsche mir, dass die Leute mich dann auch wieder
vergessen. Dass in ein paar Jahren in der Zeitung steht: «Was macht
eigentlich Christian Drosten?»