Studie: Krankenhäusern drohen schwere Zeiten

06.10.2020 15:29

Essen (dpa) - Das deutsche Gesundheitswesen hat zwar die
Herausforderungen durch die Corona-Krise bislang gut bewältigt.
Dennoch stehen vielen Krankenhäuser nach am Dienstag veröffentlichten
Studie des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen
schwere Jahre bevor. Zunächst hatte die «Rheinische Post» darüber
berichtet.

Schon vor der Corona-Krise sei die wirtschaftliche Lage der
Krankenhäuser kontinuierlich schlechter geworden. «Die Pandemie hat
diese Herausforderungen noch verschärft», warnten die Ökonomen Boris

Augurzky und Christoph Schmidt in ihrer Studie. Die Finanzspritzen
des Bundes zur Bewältigung der Corona-Krise verschafften den
Krankenhausern zwar derzeit eine Atempause. «Dies gilt allerdings
nicht für jedes Krankenhaus und hält bestenfalls bis zum Jahr 2022
an.»

Spätestens nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 würden die massiven
finanziellen Belastungen aus der Covid-19-Pandemie dann aber auch im
Gesundheitswesen spürbar werden, prognostizierten die Forscher.
Gleichzeitig sorgten die Alterung der Bevölkerung, das dadurch
absehbar schwache Wachstum des Beitragsaufkommens der Krankenkassen
und der drohende Mangel an Nachwuchskräften im Gesundheitswesen für
zusätzliche Herausforderungen.

Die RWI-Experten drängen deshalb auf eine stärke Zentralisierung der
Krankenhausstrukturen in den kommenden Jahren. Größere Krankenhäuser

verbesserten nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Kliniken, auch die
medizinische Qualität der Behandlungen lasse sich dadurch steigern.
Ergänzt werden müsse dies mit soliden ambulanten und
telemedizinischen Angebote, sowie einer Aufrüstung des
Rettungsdienstes. So könnten auch ländlich geprägte Regionen
weiterhin gut versorgt werden.

Zudem müsse die Attraktivität der Gesundheitsberufe weiter erhöht
werden, um die drohenden Engpässe bei Fachkräften zu vermeiden.
«Dabei geht es nicht nur um das Lohnniveau, sondern auch um die
Verlässlichkeit von Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle»,
heißt es in der Studie. Außerdem müssten die Möglichkeiten zur
Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen besser genutzt werden.