Kirchen fordern: Gemeindegesang wieder zulassen

05.10.2020 17:15

Gemeinsames Singen ist für viele Christen wichtiger Bestandteil des
Gottesdienstes. Wegen der Corona-Pandemie ist es in
Schleswig-Holstein noch immer verboten. Damit soll jetzt Schluss
sein, fordern evangelische und katholische Kirche.

Kiel (dpa/lno) - Die evangelische und die katholische Kirche in
Schleswig-Holstein haben die Landesregierung aufgefordert, das Singen
im Gottesdienst unter Auflagen wieder zuzulassen. Die Gemeinden
fragten sich, warum das Land Zuschauer in Sportstadien und den
Bordellbetrieb zulasse, das Singen im Gottesdienst dagegen weiterhin
verbiete, sagte die Leiterin des katholischen Büros in
Schleswig-Holstein, Beate Bäumer, am Montag. Das Erzbistum sei
enttäuscht, dass die Landesregierung auch in ihrer jüngsten
Corona-Verordnung an dem Sing-Verbot festgehalten habe, sagte Bäumer,
die auch die ständige Beauftragte des Erzbischofs bei der
Landesregierung ist. Zuvor hatten die «Kieler Nachrichten» darüber
berichtet.

«Der Gemeindegesang ist ein wichtiger Teil der Liturgie und
verbindendes Element der Gottesdienstgemeinde», sagte Bäumer. Dass in
Schleswig-Holstein noch immer nicht einmal kurze Antwortgesänge der
Gemeinde im Gottesdienst möglich sind, sei nicht mehr vermittelbar.

Anders als in Hamburg und in Mecklenburg-Vorpommern ist das Singen im
Gottesdienst in Schleswig-Holstein noch immer verboten. Kirchenchöre
dürfen zwar inzwischen wieder proben, im Gottesdienst singen dürfen
sie jedoch nicht. Das Land begründet das mit der hohen
Aerosolbelastung beim Singen.

Auch der Evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland
(Nordkirche) ist der Gemeindegesang wichtig. Er sei ein wesentlicher
Bestandteil evangelischer Gottesdienste, sagte Gothard Magaard,
Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche. «Wir
vermissen das gemeinsame Singen sehr», sagte er. Er plädierte dafür,

das Singen der Liturgie und einzelner Lieder mit Mund-Nasen-Bedeckung
zuzulassen. «Auch Kirchenchöre sollten wieder im Gottesdienst singen
dürfen, sagte Magaard.