Bisher kein Übernachtungsverbot für Berliner in Brandenburg

05.10.2020 17:04

Brandenburg blickt besorgt auf Berlin - dort steigen die
Corona-Ansteckungen viel schneller. Berliner können zwar noch in
Brandenburg übernachten, aber nicht mehr ab einer bestimmten Zunahme.

Potsdam/Cottbus (dpa/bb) - Berliner können weiter in Brandenburg
übernachten - aber nur bis zu einer bestimmten Obergrenze neuer
Corona-Infektionen in der Hauptstadt. Ein Beherbergungsverbot würde
es geben, wenn die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100 000
Einwohner der vergangenen sieben Tage für ganz Berlin überschritten
würde, erklärte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am
Montag in Potsdam. Das sei in der Corona-Umgangsverordnung geregelt.
Diese Vorgabe gilt für Hotels und Pensionen, Campingplätze und
Stellplätze für Wohnmobile.

Die Zahl neuer Infektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen
sieben Tagen lag in Brandenburg am Montag bei 8,6. In Berlin war der
Wert am Sonntag bei 37,8. In drei Bezirken lag er aber über 50, in
einem knapp nur darunter.

Die Ministerin zeigte sich angesichts des drastischen Anstiegs von
Corona-Ansteckungen in Berlin besorgt. «Aufgrund der engen
Verflechtungen zwischen Berlin und Brandenburg und den Tausenden
Pendlern müssen wir jetzt sehr aufpassen, dass diese drastische
Entwicklung nicht auf Brandenburg überschwappt», warnte sie.
«Trotzdem können wir nicht für einzelne Bezirke Beherbergungsverbote

aussprechen.» Berlin müsse als Einheit gesehen werden, ein
Beherbergungsverbot für einzelne Bezirke ergebe keinen Sinn.

Die Brandenburger Landesregierung plant schärfere Regeln für private
Feiern. Ab einem Wert von 35 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohner
in den vergangenen sieben Tagen sollen nur noch 50 Menschen an Feiern
in öffentlichen oder angemieteten Räumen teilnehmen können und 25
Menschen an Feiern zuhause. Das Kabinett berät darüber an diesem
Dienstag.

Nach einem Corona-Ausbruch hat das Carl-Thiem-Klinikum (CTK) in
Cottbus Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Neun Mitarbeiter seien positiv
auf das Virus getestet worden, vier Corona-Patienten würden derzeit
behandelt, teilte das Klinikum am Montag mit. Bis zum 9. Oktober
würden keine geplanten Patienten mehr aufgenommen und keine geplanten
Operationen vorgenommen - ausgenommen bei Notfällen und von
Tumorpatienten. Die Ambulanzen und Tageskliniken würden geschlossen,
das Medizinische Versorgungszentrum und die Corona-Abstrichstelle
blieben geöffnet. Bis auf weiteres seien keine Besuche möglich. Das
CTK hat nach eigenen Angaben 1203 Betten.

Auch am Helios-Klinikum in Bad Saarow (Kreis Oder-Spree) war das
Virus ausgebrochen. Die Klinik nimmt keine neuen Patienten auf. Das
Gesundheitsministerium hatte am Samstag einen Aufnahmestopp erteilt.
Nach Klinikangaben waren bisher 25 Infektionen bekannt, 13
Mitarbeiter und zwölf Patienten.