Am Sonntag 2279 Corona-Neuinfektionen in Deutschland gemeldet

04.10.2020 15:44

Die Zahl der bekanntgewordenen Infektionen hat sich diesen Sonntag
im Vergleich zur Vorwoche deutlich erhöht - im Vergleich der
Gesamtwoche fällt der Anstieg moderater aus. Mehrere Kommunen liegen
über dem Grenzwert für Neuinfektionen, der Maßnahmen erfordert.

Berlin (dpa) - Das Robert Koch-Institut hat am Sonntag 2279 neue
Corona-Infektionen gemeldet, deutlich mehr als die 1411 vom Sonntag
der Vorwoche. Wie aus dem am Samstag veröffentlichen Lagebericht des
RKI hervorgeht, wurden innerhalb von sieben Tagen 12 954 Infektionen
bekannt, im Vergleich zum Vorwochenzeitraum eine Steigerung um 1823.
In der Regel sind die veröffentlichten Infektionszahlen an Sonn-
und Montagen im Vergleich zu den Vortagen niedriger, was auch daran
liegt, dass am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das
RKI melden.

Am Samstag war die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zum
dritten Mal in Folge über der Schwelle von 2500 Fällen pro Tag. Erst
am Vortag waren 2673 neue Fälle registriert worden. Dies war der
höchste Wert seit der zweiten Aprilhälfte.

Wegen des schnellen Anstiegs der Infektionszahlen in Berlin fordert
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci ein zeitlich begrenztes Ausschank-
und Verkaufsverbot für Alkohol. Von 23.00 bis 6.00 Uhr müsse dieses
für Restaurants, Bars, Clubs und Spätverkaufsstellen gelten, sagte
die SPD-Politikerin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.
Unterschiedliche Beschränkungen des Alkoholverkaufs gibt es auch
schon in anderen Städten.

Zuletzt breitete sich das Coronavirus in Berlin stark aus. In drei
Bezirken wird der wichtige Warnwert von 50 Neuinfektionen auf 100 000
Einwohner in der vergangenen Woche überschritten. Als Infektionsherde
sehen die Behörden etwa illegale Partys und private Feiern mit
Alkoholkonsum.

Schleswig-Holstein hat die Berliner Bezirke Neukölln und
Friedrichshain-Kreuzberg deswegen als Risikogebiete im Inland
ausgewiesen. Der Bezirk Berlin-Mitte galt im Norden bereits als
Risikogebiet, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Sonntag
der Deutschen Presse-Agentur sagte. Urlauber aus diesen Bezirken oder
schleswig-holsteinische Rückkehrer von dort müssen sich nun im Norden
14 Tage in Quarantäne begeben oder zwei negative Corona-Tests
innerhalb von fünf Tagen vorweisen.

Im niedersächsischen Landkreis Vechta ist der wichtige 50er-Grenzwert
ebenfalls überschritten worden. Bund und Länder hatten sich auf
diesen Wert geeinigt, der neue Einschränkungen nach sich ziehen kann.


Dass der Wert im Landkreis Vechta gerissen werden würde, war nach
einem Ausbruch in einem Alten- und Pflegeheim erwartet worden. Nach
Daten des Landesgesundheitsamtes liegt er nun bei 51,8. In dem
Landkreis waren insgesamt 727 Fälle gemeldet, 46 mehr als am Vortag
(Stand: 3. Oktober, 9.00 Uhr).

Laut RKI liegen derzeit deutschlandweit zudem die kreisfreien Städte
Hamm und Remscheid in Nordrhein-Westfalen über dem 50er-Grenzwert
(Stand: 4. Oktober 0.00 Uhr). In Hamm sollen deswegen Schutzmaßnahmen
ausgeweitet werden, in Remscheid sieht man sich angesichts allmählich
sinkender Neuinfektionszahlen hingegen auf einem guten Weg, hieß es
am Freitag. Auch Hamm und Remscheid gelten in Schleswig-Holstein als
Risikogebiete.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in
Deutschland laut Lagebericht vom Sonntag bei 1,23 (Vortag: 1,10). Das
bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren
Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen
etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes
Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum
und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach
RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Freitag bei 1,14 (Vortag: 1,13).
Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 299 237
Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2
infiziert (Datenstand 4.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im
Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei
9529. Seit dem Vortag wurden 2 Todesfälle mehr gemeldet.