, Äußerungen Borissow ) Corona-Fallzahlen in Bulgarien steigen stark

08.07.2020 14:45

Trotz erneut steigender Corona-Zahlen plant Bulgarien keine
Einschränkungen - zumindest noch nicht.

Sofia (dpa) - Bulgarien erlebt nach der Lockerung seiner
Corona-Einschränkungen nun einen schnelleren Anstieg der
nachgewiesenen Neuinfektionen. Die Regierung plant allerdings nicht,
die strengen Corona-Regeln wieder einzuführen. Mit 188 neuen
Corona-Fällen wurde am Mittwoch ein Tagesrekord seit Beginn der
Pandemie verzeichnet. Damit stieg die Zahl der registrierten
Infektionen in dem ärmsten EU-Land mit einer Bevölkerung von knapp
sieben Millionen Menschen insgesamt auf mehr als 6100. Vor einem
Monat lag sie noch bei rund 2700.

Wegen schnell steigender Corona-Fallzahlen ordnete Regierungschef
Boiko Borissow bereits Ende Juni an, dass die Kapazitäten der
Krankenhäuser umgehend erhöht werden sollen. In Bulgarien gilt seit
22. Juni wieder Maskenpflicht in geschlossenen, gemeinschaftlich
genutzten Räumen wie etwa Läden, Banken, Tankstellen, Behörden und
Kirchen. Doch nicht wenige Bulgaren wollen sie demonstrativ nicht
einhalten. Wirksame Kontrollen gibt es kaum. In Supermärkten tragen
Mitarbeiter nicht selten keinen Mund-Nasen-Schutz oder ihre Masken
hängen am Hals.

Zur Kritik, dass die Regierung nicht plane, die strengen
Corona-Einschränkungen wieder einzuführen, sagte Ministerpräsident
Boiko Borissow: «Wir haben niemanden verpflichtet, in die Bar oder
zum Fußballspiel zu gehen.» Das Schwierige sei nun, zu lernen, mit
dem Gedanken zu leben und zu arbeiten, dass dieses Virus unter uns
sei, sagte er zum Auftakt einer Regierungssitzung.

Der Rückfall in Bulgarien kommt nach einem guten Start bei der
Bekämpfung des Coronavirus im März mit vielen Schutzmaßnahmen. Nach
einer Reihe von Festtagen im April und im Mai und nach der Öffnung
von Lokalen, Diskotheken, Nachtclubs sowie der Stadien für Zuschauer
steigen die Fallzahlen jetzt wieder deutlich. 

Gesundheitsminister Kiril Ananiew warnte, dass bei mehr als 200 
Neuinfektionen pro Tag es wieder strengere Schutzmaßnahmen geben
werde. Doch über den Sinn von Corona-Maßnahmen herrscht in Bulgarien
große Verwirrung. Sie ist teils auf einen inzwischen aufgelösten,
alternativen Corona-Stab zurückzuführen, der sich für das schwedische

Modell im Umgang mit dem Coronavirus eingesetzt hatte.

Die jetzige Entwicklung ist nach Auffassung bulgarischer Experten ein
zweiter Höhepunkt der ersten Corona-Welle. Für den Herbst wird eine
zweite Welle befürchtet.