NRW-Gebiete Spitzenreiter bei Infektions-Kennziffer

08.07.2020 16:08

Die Infektions-Kennziffer ist im Kreis Gütersloh nach dem massiven
Ausbruch im Tönnies-Werk wieder unter den Grenzwert 50 gesunken. Er
ist die Messlatte für regionale Einschränkungen. RKI-Daten zeigen,
auch andere Gebiete in NRW liegen im bundesweiten Vergleich vorn.

Berlin (dpa/lnw) - Mit dem Kreis Gütersloh sowie den Großstädten
Düsseldorf und Duisburg liegen gleich drei Gebiete in
Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich bei der wichtigen
Infektions-Kennziffer für die Ausbreitung des Corona-Virus vorn.

Die Zahl Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der
vergangenen sieben Tage sank nach Angaben des Robert Koch-Instituts
(RKI) vom Mittwoch im Kreis Gütersloh weiter auf 28,6 Fälle. Der
Kreis in Ostwestfalen, der seit dem massiven Corona-Ausbruch in der
Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück die Liste anführt, näher
t
sich damit den Werten der Großstädte Düsseldorf und Duisburg. Die
Sieben-Tage-Inzidenz betrug in der Landeshauptstadt am Mittwoch 22.
Für Duisburg wies das RKI einen Wert von 21,1 solcher Fälle aus. An
vierter Stelle folgt der oberbayerische Landkreis Erding mit 17,4.

In Düsseldorf gebe es keinen Hotspot, sagte ein Sprecher der Stadt.
«Wir haben viele Einzelfälle.» Infiziert seien meist Jüngere in der

Altersgruppe der 20- bis Mitte 40-Jährigen, die unternehmungslustig
seien und auf Partys gingen. Die Kontaktnachverfolgung sei schwierig.
In Duisburg setze man weiter auf Reihentestungen in Pflege- und
Senioreneinrichtungen, sagte Sprecherin Anja Kopka am Mittwoch.
«Dabei nehmen wir natürlich in Kauf, dass die Infektionszahlen
hochgehen: wer viel testet, findet eben auch etwas. Auch die
Reihentests bei einem Paketdienstleister oder in den
fleischverarbeitenden Betrieben halten wir für den richtigen Weg.»
Bei zwei Feiern zum Zuckerfest Ende Mai hätten sich 66 Menschen
infiziert.

Bereits am Montag hatte der Duisburger Krisenstabsleiter Martin
Murrack an die Bevölkerung appelliert, trotz neugewonnener Freiheiten
weiter vorsichtig zu sein. Weil die Leute wieder mehr Kontakte
hätten, sei die Nachverfolgung für das Gesundheitsamt sehr schwierig
geworden. «Das Virus ist immer noch da», lautete die Mahnung. Gerade
im privaten Raum gelte: «Nicht alles, was erlaubt ist, sollte voll
ausgeschöpft werden», unterstrich Murrack.

Im Kreis Gütersloh verfestigt sich die rückläufige Tendenz: Zu
Wochenanfang hatte die Infektions-Kennziffer noch knapp über dem
Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben
Tagen gelegen. Am Dienstag ging es runter auf 35,4. Zum Höhepunkt des
Corona-Ausbruchs in dem Tönnies-Werk lag der Wert sogar bei 270,2.
Oberhalb des Grenzwertes 50 müssen zusätzliche Schutzmaßnahmen wie
Einschränkungen beim Umfang der Kontakte in Betracht gezogen werden.