UN: Corona-Krise vernichtet weltweit jahrzehntelangen Fortschritt

07.07.2020 18:56

Es ist der umfassendste Vertrag, den sich die Menschheit je gegeben
hat: Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beschreiben,
wie die Welt Armut, Klimakrise und Bildungsungerechtigkeit bekämpfen
will. Der jährliche Fortschrittsbericht gerät wegen Corona düster.

New York (dpa) - Die weltweite Corona-Pandemie wirft die Menschheit
in Armutsbekämpfung, Gesundheitswesen und Bildung nach einem neuen
UN-Bericht um Jahrzehnte zurück. Bereits Ende des vergangenen Jahres
habe die Menschheit beim Erreichen der bis 2030 definierten
UN-Nachhaltigkeitsziele hinterhergehangen, erklärten die Vereinten
Nationen am Dienstag. «Wegen Covid-19 bedroht nun eine nie gesehene
Gesundheits-, Wirtschafts- und Gesellschaftskrise Leben und
Existenzgrundlagen, was das Erreichen der Ziele noch mehr zur
Herausforderung macht», sagte UN-Generalsekretär António Guterres am

Dienstag.  

Unter anderem würden voraussichtlich 71 Millionen Menschen in diesem
Jahr wieder in Armut zurückfallen, heißt es in der neuesten Ausgabe
des jährlichen UN-Berichts zu den 17 Nachhaltigkeitszielen, die sich
die Weltgemeinschaft 2015 gegeben hatte. Es wäre der erste Anstieg
seit 1998. Auch bei der Kinderarbeit könnte es erstmals seit
Jahrzehnten wieder einen Anstieg geben. Die UN sagen zudem weltweit
Hunderttausende Tote durch Probleme bei Gesundheits- und
Impfversorgung voraus. Überproportional oft seien weltweit Arme,
Menschen mit Behinderungen und häufig auch Frauen von der
Corona-Krise betroffen.

Mehr als eine Milliarde Menschen in Slums würden die Krise wegen
fehlenden Wasseranschlüssen daheim, wegen geteilter Toiletten und
überfülltem öffentlichen Verkehrsmitteln besonders spüren.
Schulschließungen hätten 90 Prozent aller Schüler weltweit betroffen,

rund 1,57 Milliarden Kinder und Jugendliche. 370 Millionen davon
haben deshalb auch für sie lebensnotwendiges Schulessen verpasst.

Der Bericht würdigte aber auch die bis Ende 2019 erreichten
Fortschritte bei der Gesundheit von Müttern und Kindern, beim
verbesserten Zugang zu Elektrizität und beim Frauenanteil in
Regierungen weltweit. Diesen Fortschritten stünden aber wachsende
Unsicherheiten in der Nahrungsversorgung, Verschlechterungen bei
Natur und Umwelt und hartnäckige Ungleichheit in vielen
Gesellschaften gegenüber.

Mit der im Jahr 2015 auf einem UN-Gipfel verabschiedeten Agenda 2030
für nachhaltige Entwicklung drückt die internationale
Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen
Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Kernstück ist ein
Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Sie behandeln
beispielsweise die Bekämpfung von Hunger, Geschlechtergerechtigkeit
und den Kampf gegen die Klimakrise.