Institut: Mögliche Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen noch unklar

07.07.2020 06:00

Berlin (dpa) - Im Rennen um sogenannte mRNA-Impfstoffe gegen das
Coronavirus gibt es derzeit noch kaum Informationen über mögliche
Nebenwirkungen. Da es noch keinen zugelassenen mRNA-Impfstoff für
Menschen gebe, sei die Frage nach Nebenwirkungen eine der ganz
wichtigen, die jetzt mit den laufenden klinischen Prüfungen geklärt
werde, hieß es vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das unter anderem für
die Genehmigung von Arzneimitteln zuständig ist.

Dass Menschen nach Impfungen vorübergehende Nebenwirkungen verspüren,
sei im Allgemeinen normal, sagte der Geschäftsführer Forschung des
Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA), Siegfried Throm.
«Impfungen trainieren den Körper, ehe echte Erreger eindringen.»
Dafür würden bei den herkömmlichen Impfstoffen geringe Mengen von
Erregerbestanteilen oder abgeschwächten Viren gespritzt oder als
Schluckimpfung verabreicht. Der Körper versuche, die Eindringlinge
abzuwehren. Bei vielen Menschen rufe die eigentlich erwünschte
Abwehrreaktion die Symptome hervor.

Treten Impfkomplikationen auf, werden diese an das PEI gemeldet. Den
zuletzt erhobenen Daten aus dem Jahr 2018 zufolge gab es 3570
entsprechende Verdachtsfälle. Bei 1070 davon handelte es sich demnach
um schwerwiegende Komplikationen. Der VFA rechnete 2018 mit rund 50
Millionen Impfungen insgesamt. Nach diesen Angaben käme auf knapp 50
000 Impfungen eine schwerwiegende Nebenwirkung.

Jeder Körper reagiert nach dem Impfen anders. Unter den etwas mehr
als 11 000 dem PEI gemeldeten unerwünschten Reaktionen war die mit
Abstand häufigste Nebenwirkung eine lokale Reaktion, dahinter folgten
Fieber und Kopfschmerzen. Die Zahl übersteigt die Anzahl der
Verdachtsfälle, da mehrere unerwünschte Reaktionen/Symptome zu einem
Fall berichtet werden können.

Eine sogenannte Phase-1-Studie mit einem mRNA-Impfstoff wird derzeit
etwa beim Tübinger Unternehmen Curevac durchgeführt. mRNA ist eine
Art Botenmolekül, in dem die Bauanleitung zur Herstellung von
Proteinen steckt. Für ihren Impfstoff haben die Curevac-Forscher mRNA
mit der Bauanleitung für ein Protein der Hülle des Coronavirus
versehen. Nach einer Impfung bilden die menschlichen Zellen dieses
Protein. Der Körper erkennt es als fremd und beginnt, Antikörper
sowie Abwehrstoffe dagegen zu bilden.

Auf mRNA setzen die Entwickler bei Corona, weil dafür nicht wie sonst
die Viren selbst zur Herstellung des Impfstoffs benötigt werden,
sondern nur deren genetische Information. Das soll es ermöglichen,
Impfstoffe in beispielloser Geschwindigkeit bereitzustellen.