WHO verzeichnet Corona-Rekord - Lage in Deutschland stabil

05.07.2020 17:08

Seit rund einem halben Jahr hält das Coronavirus die Welt in Atem.
Dennoch breitet sich der Erreger in vielen Ländern weiterhin rasant
aus. Anders ist die Lage in Deutschland.

Genf (dpa) - Weltweit gesehen steigt die Zahl der nachgewiesenen
Neuinfektionen seit Beginn der Corona-Pandemie immer weiter an. So
meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO am Wochenende einen
Rekord: Binnen 24 Stunden seien 212 326 neue Ansteckungen mit dem
Coronavirus Sars-CoV-2 gemeldet worden (Stand 4.7. 10 Uhr), hieß es
in einem WHO-Bericht. Die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle in
Zusammenhang mit dem Virus ist hingegen seit Anfang Mai
vergleichsweise stabil.

Die meisten Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden wurden dabei in
Nord- und Südamerika (129 772) gemeldet. Davon entfielen allein mehr
als 53 000 Fälle auf die USA und mehr als 48 000 auf Brasilien. Grund
für steigende Infektionszahlen können sowohl ein tatsächliches Plus
an Ansteckungen als auch umfangreichere Tests sein.

Insgesamt geht die WHO bisher von mehr als 11 Millionen Infektionen
mit dem Coronavirus weltweit sowie von mehr als 523 000 Todesfällen
aus. In absoluten Zahlen verzeichneten demnach die USA (mehr als 2,7
Millionen), Brasilien (mehr als 1,5 Millionen) und Russland (mehr als
674 000) zuletzt die meisten Infektionen insgesamt. Unter den
europäischen Ländern hat Großbritannien mit mehr als 284 000 Fällen

derzeit die meisten Infektionen.

Die WHO-Zahlen weichen wegen unterschiedlicher Zählweisen und
zeitlicher Verzögerungen immer etwas von den Zahlen der Johns Hopkins
Universität in den USA ab. Die WHO hat mehrfach eindringlich darauf
hingewiesen, dass die Pandemie nichts von ihrer Dynamik eingebüßt
habe.

Immer wieder melden Länder neue Höchstwerte bei den Neuinfektionen,
so beispielsweise am Wochenende Indien und das Westjordanland. In
Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen hingegen weiter auf
relativ niedrigem Niveau. Die Gesundheitsämter in Deutschland
meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge 239 neue
Corona-Infektionen innerhalb eines Tages (Datenstand 5.7., 0.00 Uhr).
Allerdings sind die Daten nicht ganz vollständig, da
Baden-Württemberg, Sachsen und das Saarland keine Angaben an das RKI
übermittelt haben.

Die jüngst wieder steigenden Zahlen an nachgewiesenen
Corona-Infektionen in einigen Ländern sind nach Ansicht der WHO kein
Anzeichen einer zweiten Welle. Vielmehr handele es sich um einen
zweiten Höhepunkt der ersten Welle, sagte der WHO-Nothilfekoordinator
Michael Ryan am Freitagabend in einem Briefing bei der Genfer
Auslandspresse (ACANU). In den betroffenen Ländern sei das Virus
nicht genug unterdrückt worden. Umso mehr müssten Maßnahmen wie
Handhygiene, Abstand halten und Isolation von Infizierten und ihren
Kontakten konsequent weiter angewendet werden.

Das Potenzial einer zweiten Welle sei aber dennoch da, sagte Ryan,
etwa im Winter, wenn wieder mehr Menschen eng in Räumen zusammen
seien und das Virus sich dadurch leichter von Mensch zu Mensch
verbreiten könne als jetzt. Womöglich reagiere das Virus auch auf
Temperaturen.