Spahn weist Verantwortung für Versäumnisse in der Corona-Krise zurück

03.07.2020 15:58

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)hat eine
persönliche Verantwortung für Versäumnisse zu Beginn der Corona-Krise

zurückgewiesen. Insbesondere bei der Frage, ob noch früher noch mehr
Masken hätten beschafft werden müsste, verteidigte der
Unionspolitiker den damals eingeschlagenen Kurs.

«Hätten wir schon früher beginnen sollen, Schutzmasken zu kaufen? Ja,

natürlich», sagte Spahn dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».
Gleichzeitig fügte er hinzu, er habe sich nicht bewusst gegen den
Kauf von mehr Schutzmasken entschieden. «Es ist im Januar oder vor
einem Jahr auch niemand zu mir gekommen und hat gesagt, wir sollten
jetzt Schutzmasken kaufen», so Spahn. Unter den Masken, die sein
Ministerium ins Land geholt habe, seien auch qualitativ minderwertige
gewesen. Der Ausfall habe im Schnitt bei über 20 Prozent gelegen.
«Ich kann nicht verantworten, viel Steuergeld für diese Produkte zu
überweisen, ohne sie überprüft zu haben», sagte Spahn.

Auf den Vorwurf, er habe zu Beginn der Krise zu «Gelassenheit»
aufgerufen entgegnete Spahn: «Dem Wort «Gelassenheit» hatte ich ein
Adjektiv vorangestellt: «aufmerksame Gelassenheit».» Zwar würde er

heute eher das Wort «Besonnenheit» benutzen, so Spahn. Dennoch habe
er vom ersten Tag an gesagt, dass er das Virus sehr ernst nehme.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sprach hingegen von
Schutzbehauptungen Spahns. Jeder könne nachlesen, was er am Anfang
der Krise gesagt und getan habe. «Dass ihn Ende Januar niemand nach
dem Kauf von Schutzmasken gefragt hat, ist schlicht nachweislich
gelogen», sagte Theurer der Deutschen Presse-Agentur. Spahn solle
sich für diese falsche und schädliche Behauptung entschuldigen, statt
nun so zu tun, als hätte niemand die Probleme kommen sehen können.

Spahn forderte zudem eine allgemein bessere Vorsorge des Staates bei
Gesundheitsrisiken. Das Robert Koch-Institut und die Gesundheitsämter
etwa müssten künftig vor Ort so gut zusammenarbeiten, «dass im
Ernstfall sofort alles reibungslos klappt.» In Europa und auf
nationaler Ebene fehle es derzeit an Strukturen für
Gesundheitsrisiken. Das sei anders bei Finanzrisiken, für die es seit
der Eurokrise Mechanismen gebe, oder bei Sicherheitsrisiken, für die
es die Nato und andere Kooperationen gebe.

Denkbar sei außerdem dass es in Zukunft häufiger Pandemien geben
werde. Zudem warnte der Minister vor anderen Gefahren als Viren.
«Experten warnen zunehmend auch vor Bakterien. Wenn die Resistenzen
gegen Medikamente zunehmen, sind diese Szenarien mindestens so
erschreckend wie die zu neuen Viren», sagte Spahn. Auch der
Bioterrorismus sei eine reelle Gefahr.