Corona: Gutschein-Lösung für Pauschalreisende beschlossen

02.07.2020 18:59

Etliche Urlauber könnten wegen geplatzten Pauschalreisen Geld
zurückverlangen. Reiseveranstalter befürchten eine Pleitewelle. Nun
hat der Bundestag eine Gutschein-Lösung beschlossen.

Berlin (dpa) - Reiseveranstalter, die ihren Kunden wegen einer
coronabedingt geplatzten Pauschalreise Geld zurückzahlen müssen,
dürfen diesen als Alternative einen Gutschein anbieten. Einem
entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung hat der Bundestag am
Donnerstag zugestimmt. Die Kunden können sich für eine Rückzahlung
des gezahlten Geldes oder für den Gutschein entscheiden.

Dem Entwurf zufolge sollen Pauschalreisende ihr Geld zurückverlangen
können, wenn der Urlaub wegen der Coronavirus-Pandemie ausfällt. Eine
ursprünglich geplante Gutscheinpflicht, die helfen sollte,
Insolvenzen in der Reisebranche zu vermeiden, soll es nicht geben.
Sie scheiterte am Widerstand der Brüsseler EU-Kommission.
Verbraucher, die ihre Pauschalreise vor dem 8. März gebucht haben,
können aber freiwillig einen Gutschein wählen, dessen Wert auch dann
staatlich abgesichert ist, wenn Anbieter Pleite gehen.

«Wir haben die Gutscheine attraktiv gemacht durch die staatliche
Absicherung. Wir haben alles dafür getan, dass die Menschen guten
Gewissens auch einen Gutschein wählen können», sagte
Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei (CDU). Die Gutscheinlösung helfe
insbesondere kleinen und mittelständischen Reiseveranstaltern, von
drohenden Insolvenzen verschont zu werden, sagte die
Tourismusexpertin der SPD-Fraktion, Gabriele Hiller-Ohm.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht die Gutscheine hingegen
kritisch. Insbesondere seien sie keine Lösung für das
Liquiditätsproblem in der Reisebranche. «Das ist die Realität:
Gutscheine finden kaum Anklang beim Kunden - lediglich 10 bis 20
Prozent der Verbraucher akzeptieren sie», sagte DRV-Präsident Norbert
Fiebig.

«Die Bereitschaft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, Gutscheine
zu akzeptieren, wird durch die Debatte gesunken sein», sagte der Chef
des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Klaus Müller. Gutscheine
seien nicht nachhaltig und deshalb nicht geeignet, der Krise zu
begegnen. «Sie verschieben lediglich das Liquiditätsproblem der
Unternehmen auf einen späteren Zeitpunkt», so Müller.