Tönnies-Video: Gericht verhandelt über Entlassung von Mitarbeiterin

02.07.2020 17:54

Rheda-Wiedenbrück (dpa) - Nach der Veröffentlichung eines Videos mit
mutmaßlichen Verstößen gegen Corona-Präventionsregeln aus der Kanti
ne
des Schlachtereibetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wurde einer
Mitarbeiterin gekündigt. Das Arbeitsgericht Bielefeld verhandelt
jetzt über die Wirksamkeit der Entlassung aus dem April, wie Direktor
Joachim Kleveman der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag sagte.
Ein Verhandlungstermin sei aber noch offen.

Die Cateringfirma, die bei Tönnies die Kantine mit Essen beliefert,
hatte sich mit der Frau bei einem Gütetermin Anfang Juni auf eine
fristgerechte Kündigung und eine Abfindung geeinigt. Laut Kleveman
hatte die Frau bei dem Gespräch bestätigt, das Video ins Internet
gestellt zu haben. Sie bestritt demnach aber, dass eine negative
Kommentierung in dem Video von ihr sei. Nach einem Anwaltswechsel
widerrief die Frau den Vergleich vom 9. Juni. Jetzt muss vor dem
Arbeitsgericht verhandelt werden. Mehrere Medien hatten zuvor
berichtet.

Das Video mit mutmaßlichen Verstößen gegen Corona-Präventionsregeln

war Ende März im Internet aufgetaucht. Die Firma Tönnies hatte am 28.
März von ihm erfahren. Das genaue Erstellungsdatum dagegen ist
umstritten. Die Bilder zeigen Tönnies-Mitarbeiter, die in der Kantine
an Tischen zusammensitzen und essen. Nach einer Verordnung des Landes
Nordrhein-Westfalen musste auch in Firmenkantinen seit dem 22. März
aus Gründen des Infektionsschutzes ein Mindestabstand von 1,50 Meter
eingehalten werden. Ob es Verstöße gab, prüft derzeit die
Staatsanwaltschaft Bielefeld nach dem Eingang zahlreicher Anzeigen
gegen das Unternehmen.

Laut Tönnies hatten sich die Arbeiter damals in der Kantine nur mit
Kollegen aufgehalten, mit denen sie auch in einer Abteilung zusammen
gearbeitet hatten. Dieses Verhalten, das sogenannte Clustern, sei mit
dem Arbeitsschutz abgestimmt gewesen. Das Unternehmen erklärte dazu
in der Stellungnahme, dass es in dieser Phase der Pandemie keine
vermehrten Positivfälle gegeben habe. Später seien die Plätze
«erheblich» reduziert und eine Mundschutzpflicht in der Kantine
eingeführt worden.