FLI benötigt mehr Geld für Corona-Forschung an Tieren

02.07.2020 15:32

Das neuartige Coronavirus hat die Arbeit im Bundesforschungsinstitut
für Tiergesundheit in diesem Jahr durcheinandergewirbelt. Für die
Erforschung des Erregers wurde Personal konzentriert. Mehr
Mitarbeiter werden gebraucht.

Greifswald (dpa/mv) - Mit dem Auftreten von Covid 19 vor gut einem
halben Jahr hat sich der Forschungsschwerpunkt des
Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) Greifswald deutlich verschoben.
Das neuartige Coronavirus kann Menschen und Tieren gefährlich werden.
«Wir haben Personal aus anderen Bereichen für diese Forschung
abgezogen», sagte der Präsident des Bundesforschungsinstituts für
Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems, Thomas Mettenleiter, am
Donnerstag. Das sei eine große Kraftanstrengung, denn die Arbeit
bleibe anderswo liegen. Er habe zusätzliche Mittel beantragt, um mehr
Personal einstellen zu können, berichtete Mettenleiter dem
Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD). Er sprach von 1,5
bis 2 Millionen Euro, die er in den nächsten drei Jahren zusätzlich
brauche. Es sei noch «unendlich viel» zu tun.

Notwendig sind laut Mettenleiter vor allem mehr Tierversuche. Die
Forschung gehe in vier Richtungen. Der Erregernachweis gelinge
bereits gut. Zu klären seien jetzt Fragen nach Zwischenwirten und
nach der Gefährdung landwirtschaftlicher Nutztiere. Zudem würden
Tiermodelle für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten
benötigt, bevor die Therapeutika Menschen verabreicht werden.

Nach derzeitigen Erkenntnissen kommen Frettchen als Tiermodelle in
Frage. Sie sind für das Virus ähnlich empfänglich wie Menschen,
reproduzieren es in den oberen Atemwegen, scheiden es aus und
übertragen es, wie Mettenleiter erläuterte. Auch Goldhamster seien
empfänglich. Derzeit werde auf dem Riems ein Impfstoff der
Ludwig-Maximilians-Universität München getestet. «Uns erreichen viele

Anfragen, von Herstellern und von Wissenschaftlern», sagte er. Es
gebe nicht viele Institute, die Versuchstiere jenseits der Labormaus
hätten.

Zudem wurden mehrere Nutztiere getestet. Demnach scheinen sich
Schweine, Hühner, Enten und Puten nicht zu infizieren. Rinder würden
noch getestet, Pferde nicht. Empfänglich für das neuartige Virus sind
demnach neben Frettchen auch Katzen, Flughunde, Fledermäuse, Nerze
und - eher weniger - Hunde.  

Das Bundesforschungsinstitut hat den Auftrag, einerseits die
Gesundheit von lebensmittelliefernden Tieren zu erhalten und
andererseits Menschen vor Zoonosen zu schützen, zwischen Tier und
Mensch übertragbaren Infektionskrankheiten. Das deutschlandweit an
fünf Standorten ansässige FLI beschäftigt nach eigenen Angaben 850
Mitarbeiter, davon je nach Projektlage 400 bis 450 am Hauptsitz auf
dem Riems. Dahlemann informierte sich im Rahmen seiner diesjährigen
Vorpommern-Tour über den Forschungsstandort.

Anschließend besuchte er die Nachbarinsel Koos, die als
Naturschutzgebiet nicht frei zugänglich ist. Bei dem Gebiet handelt
es sich dem Geschäftsführer der Michael Succow Stiftung, Jan Peters,
zufolge um eine Küstenüberflutungsmoor. Einst errichtete Deiche um
das Moor seien abgetragen worden, um es zu renaturieren, wie
Mitarbeiterin Julia Seifert berichtete. Die Fläche brauchten die
Beweidung mit Rindern und Wasserbüffeln, um eines Tages wieder zu
Salzgrasland mit einer an die zeitweilige Überflutung angepassten
Tier- und Pflanzenwelt zu werden.