Corona-Pandemie: Hersteller setzt Preis für Remdesivir

30.06.2020 13:25

Washington (dpa) - In der Coronavirus-Pandemie hat das
US-Biotech-Unternehmen Gilead Sciences den Preis für den Wirkstoff
Remdesivir für den US-Markt festgelegt. Eine fünftägige Behandlung
mit Remdesivir werde bei Bestellung durch die US-Regierung 2340
Dollar (etwa 2000 Euro) pro Patient kosten, schrieb Gilead-Chef
Daniel O'Day am Montag in einem offenen Brief. Dieser Nettobetrag sei
auch für Deutschland geplant, sagte der Sprecher von Gilead Sciences
in Deutschland, Martin Flörkemeier, am Dienstag. Derzeit sei
Remdesivir als reines Krankenhausprodukt gedacht. Das System sehe
keine unterschiedlichen Preise für gesetzliche und private Kassen
vor.

In den USA ist der Preis für private Krankenversicherungen laut O'Day
hingegen etwa um ein Drittel höher. Bei diesen Preisen hätten seiner
Einschätzung nach alle Menschen Zugang zu dem Wirkstoff. Für
bedürftigere Länder werde es generische Versionen des Medikaments mit
geringerem Preis geben.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA
eine Zulassung für das Mittel mit dem Handelsnamen Veklury unter
Auflagen auch in Europa empfohlen. Eine internationale Studie mit
über 1000 Teilnehmern hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei
Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier
Tage verkürzen kann - von 15 auf 11 Tage. Die Sterblichkeit ging in
der Untersuchung geringfügig zurück, was statistisch jedoch nicht
signifikant war.

Die USA hatten bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den
begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in
Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines
Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wird in klinischen
Studien getestet. Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von
Ebola entwickelt, zeigte aber eine zu geringe Wirkung. Es ist bislang
in keinem Land der Welt uneingeschränkt als Medikament zugelassen.
Bislang gibt es keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus und
auch keine zuverlässige zugelassene medikamentöse Therapie.