Schmidt wieder Vorstandsvorsitzender von Universitätsmedizin Rostock

29.06.2020 18:07

Nach etwa zwei Jahren ist Professor Christian Schmidt wieder zum
Vorstandsvorsitzenden der Universitätsmedizin Rostock ernannt worden.
Er will das Klinikum in die schwarzen Zahlen führen.

Rostock (dpa/mv) - Professor Christian Schmidt ist nach der
Einstellung des Ermittlungsverfahrens nach Vorwürfen um zweifelhafte
Geschäftspraktiken wieder zum Vorstandsvorsitzenden der
Universitätsmedizin Rostock ernannt worden. Der Aufsichtsrat ernannte
ihn am Montag, wie die Universitätsmedizin in Rostock mitteilte.

«Die Ermittlungen führten zu keinen weiteren Erkenntnissen, die nicht
schon durch die internen Ermittlungen des Aufsichtsrates im Jahr 2018
zutage gefördert worden waren», hieß es in einer Mitteilung. Die
Staatsanwaltschaft Rostock hatte das Verfahren eingestellt, wie ein
Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag bestätigte.

Schmidt war Mitte 2018 nach den Vorwürfen freigestellt worden.
Mitarbeiter hatten zugleich über erhöhten Druck geklagt. Ende Juli
2018 wurde er wieder in sein Amt als ärztlicher Vorstand eingesetzt,
nachdem sich die Vorwürfe nicht konkretisieren ließen. Nun wird er
zudem wieder Vorstandsvorsitzender.

Ein Teil der Ermittlungen sei mangels Tatverdachts eingestellt
worden, ein anderer Teil aus prozessökonomischen Gründen, worunter
vor allem sechs Reisekostenabrechnungen zählten, hieß es weiter von
der Universitätsmedizin. Bei den Reisekosten sei es um eine Summe von
etwa 1500 Euro gegangen. Gegen eine Zahlung in Höhe von 7000 Euro
seien die Ermittlungen eingestellt worden.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Brodkorb sprach von
atmosphärischen Störungen im Vorstand, die sich mittlerweile
erheblich verbessert hätten. Der Vorstand bestehe aus vier
Mitgliedern. Schmidt sprach davon, zivilrechtlich nicht gegen die
erhobenen Vorwürfe vorgehen zu wollen. Er arbeitet seit 2014 bei der
Universitätsmedizin.

Schmidt unterstrich, dass er das Haus in drei bis fünf Jahren wieder
in schwarze Zahlen führen wolle. Er sprach von rund einem Dutzend
Großprojekten, die dies ermöglichen sollen, wie etwa das Überprüfen

der Arbeitsabläufe. Es gebe fast 7,5 Millionen Euro Rückstellungen
für Urlaube und Überstunden. Ende des vergangenen Jahres sprach das
Klinikum davon, für 2019 ein Minus von etwa 32 Millionen Euro
einzufahren. Ohne Konsolidierungsmaßnahmen seien in den Folgejahren
auch negative Betriebsergebnisse im Bereich von rund 30 Millionen
Euro zu erwarten.

Der neue Chef des Aufsichtsrates - Ex-Finanzminister Brodkorb (SPD) -
hatte ein umfassendes Sanierungskonzept ankündigt. Als Ursachen für
das Minus wurden unter anderem Personalaufbau und Tarifsteigerungen,
aber auch Verluste von Tochtergesellschaften genannt.