Keine Corona-Tests für jedermann in Thüringen

29.06.2020 17:18

Der Nutzen von Massentests auf das Corona-Virus ist umstritten.
Bayern prescht vor - Thüringen will dem Nachbarland nicht folgen.

Erfurt (dpa/th) - Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner
(Linke) hat massenhafte Corona-Tests für jedermann wie in Bayern
geplant abgelehnt. Ein unsystematisches Testangebot für die gesamte
Bevölkerung bringe keinen Erkenntnisgewinn, sagte Werner am Montag
auf Anfrage in Erfurt. «Im Gegenteil: Es besteht die Gefahr, dass
durch negative Tests bei den Menschen ein falsches Sicherheitsgefühl
entsteht und das Risikobewusstsein zurückgeht.» Insofern sei der
bayerische Vorschlag nicht zu Ende gedacht, so die Ministerin.
Thüringen lege Wert auf gezielte Tests.

Kritik am Vorpreschen Bayerns kam unter anderen auch von
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). «Einfach nur viel testen
klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend»,
schrieb Spahn bei Twitter.

Bayern will als erstes Bundesland Corona-Tests für alle ermöglichen -
auf Wunsch auch für Menschen ohne Symptome und ohne besonders hohes
Infektionsrisiko. Dafür übernehme das Land die Kosten, die nicht von
den Krankenkassen getragen würden, hieß es in München.

Thüringen setzt nach Angaben von Werner weiterhin auf gezielte - und
wenn notwendig - auch wiederholte Tests, «dort, wo es zur Bekämpfung
von Ausbrüchen und in besonders sensiblen Bereichen notwendig ist».
Dazu zählten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, Kindergärten und

Schulen. Es gehörten aber auch Landkreise und kreisfreie Städte dazu,
wenn sie die Marke von 50 Neuinfizierten pro 100 000 Einwohnern
innerhalb von sieben Tagen überschritten.

Thüringen arbeite derzeit an einem Frühwarnsystem, das vorbeugende
Reihentests in Pflegeheimen, Kindertageseinrichtungen und Schulen,
aber auch der Bevölkerung vorsehe. Ziel sei, mehr über die
Ausbreitung des Virus zu erfahren und bei Bedarf frühzeitig
gegensteuern zu können, so die Ministerin. Das Geld dafür habe der
Landtag Anfang Juni bewilligt. 25 Millionen Euro stehen danach für
Tests zur Verfügung.

Derzeit überarbeitet Thüringen laut Ministerium sein Testkonzept, um
neue Indikatoren des Robert-Koch-Instituts zu berücksichtigen.