Aufnahmebehörde fordert Corona-Tests an Ankunftsflughäfen

29.06.2020 16:36

Immer wieder kämpfen verschiedene Orte mit Corona-Neuinfektionen.
Derzeit verzeichnet das Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen
mehrere Ansteckungen. Nun ruft der Landkreis Göttingen nach Hilfe.

Hannover/Friedland (dpa/lni) - Nach dem Corona-Ausbruch im
Grenzdurchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen hofft die
Einrichtung auf Hilfe vom Bund. «Wir brauchen eine Lösung auf
Bundesebene, die sicherstellt, dass Einreisende aus Risikogebieten
unverzüglich an den Ankunftsflughäfen in Quarantäne genommen und auf

das Virus getestet werden», teilte die Landesaufnahmebehörde (LAB)
Niedersachsen am Montag mit. Spätaussiedler könnten etwa schon am
Flughafen auf eine mögliche Infektion untersucht werden, sagte eine
Sprecherin.

In Friedland sollen alle Neuzugänge auf das Coronavirus getestet
werden. Für Dienstag sei der nächste Reihentest geplant, die
Ergebnisse würden dann gesammelt vorgelegt, kündigte eine
LAB-Sprecherin an. Vor Donnerstag werde nicht mit Resultaten
gerechnet. Nach Angaben der Behörde sind die Bewohner kooperativ,
alle halten sich an die Quarantäne. Insgesamt 48 Menschen im
Grenzdurchgangslager sind infiziert. Betroffen sind Flüchtlinge,
Spätaussiedler und Mitarbeiter der Einrichtung.

Die positiv getesteten Bewohner werden separat von den anderen
untergebracht. Es gebe derzeit ausreichend Kapazität, weil von 700
Unterbringungsplätzen 309 belegt seien, sagte die Sprecherin. Sollte
die Zahl der Infektionen massiv steigen, werde die Einrichtung aber
an Grenzen stoßen. Deshalb gebe es den Appell an den Bund, für
Lösungen zu sorgen.

Im Innenministerium in Hannover wird die Ansicht geteilt.
Bestmöglicher Schutz aller müsse so früh wie möglich einsetzen, nic
ht
erst mit der Ankunft in Friedland, sagte eine Sprecherin am Montag.
Ihr zufolge besteht ein direkter Dialog mit dem
Bundesinnenministerium dazu. «Wir erwarten, dass von Bundesseite
schnellstmöglich notwendige Maßnahmen ergriffen werden, um mögliche
Infektionen bereits an den Ankunftsflughäfen festzustellen und eine
Weiterverbreitung auszuschließen», sagte sie.

Nachdem Anfang vergangener Woche bei einer neu angekommenen Familie
das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden war, wurden alle Bewohner
und Mitarbeiter getestet. Dabei gab es zunächst 22 positive Fälle.
Die Aufnahmebehörde betonte am Montag, dass das Infektionsgeschehen
nicht erst in Friedland und auch nicht durch eine einzelne Familie
ausgelöst worden sei. «Wir müssen davon ausgehen, dass sich die
Personen bereits in ihren Heimatländern oder auf dem Reiseweg
infiziert haben», sagte die LAB-Sprecherin.