Tropenmediziner: Auf Großveranstaltungen weiter möglichst verzichten

29.06.2020 14:36

Am Dienstag berät das Kabinett in Schwerin über mögliche weitere
Lockerungen in der Corona-Krise. Der Wissenschaftler Emil Reisinger
von der Uni Rostock appelliert, die Basis-Schutzmaßnahmen unbedingt
aufrechtzuerhalten.

Rostock (dpa) - Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger hat
trotz der niedrigen Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus vor
Leichtsinn gewarnt. Die Basis-Schutzmaßnahmen, wie das Abstandhalten,
das Tragen eines Mund-Nasenschutzes, häufiges Händewaschen und der
Verzicht auf Begrüßungsrituale wie Umarmen oder Handgeben, minderten
das Infektionsrisiko um 30 bis 40 Prozent, sagte Reisinger am Montag
der Deutschen Presse-Agentur. Damit lasse sich die Epidemie
kontrollieren. «Dass wir nach wie vor wenige Fälle haben, führe ich
darauf zurück, dass die Basismaßnahmen von einem Großteil der
Bevölkerung eingehalten werden.»

In der vergangenen Woche lagen die Neuinfektionen in
Mecklenburg-Vorpommern laut Reisinger zwischen einem und drei
nachgewiesenen Fällen pro Tag - und das, obwohl seit drei Wochen
zahlreiche Urlauber ins Land gekommen sind. In diesen drei Wochen sei
auch unter den Feriengästen kein Fall einer Corona-Infektion bekannt
geworden, sagte der Wissenschaftler der Uni Rostock.

Er warnte trotzdem vor Leichtsinn. Die Corona-Pandemie sei nicht
vorbei, sagte er angesichts von mehr als zehn Millionen
nachgewiesenen Fällen und 500 000 Toten weltweit. China, Israel, die
südlichen US-Bundesstaaten - vielerorts gebe es derzeit eine zweite
Welle.

Um eine solche Entwicklung in Deutschland zu vermeiden, sollte aus
seiner Sicht auf Großveranstaltungen mit mehreren Tausend Teilnehmern
vorerst weiter verzichtet werden. «Großveranstaltungen und Tourismus
ohne Schutzmaßnahmen haben dafür gesorgt, dass im Februar das Virus
verbreitet wurde», sagte Reisinger. Deutschland sei in einer
«glücklichen Situation», dass sich die Zahlen nun bis auf einige
lokale Ausbrüche stabilisiert hätten. An diesem Dienstag berät das
Kabinett in Schwerin über mögliche neue Lockerungen in der Krise für

Mecklenburg-Vorpommern.