Große Unterschiede bei Kurzarbeit - Tourismusregionen stark betroffen

29.06.2020 06:00

In der Corona-Krise haben viele Betriebe in Deutschland zur
Kurzarbeit gegriffen. Von Region zu Region gibt es aber erhebliche
Unterschiede, wie Forscher ermittelt haben. Stark betroffen sind
Kreise mit starker Autoindustrie oder viel Tourismus.

Düsseldorf (dpa) - Kurzarbeit durch die Corona-Krise hat vor allem
Regionen mit einem hohen Anteil von Unternehmen aus der Metall- und
Elektroindustrie sowie Urlaubsgebiete getroffen. Das hat eine Analyse
für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ergeben.

Insbesondere deutschen Städte und Kreise mit starker Autobranche
wiesen hohe Quoten bei der angezeigten Kurzarbeit auf, heißt es in
der Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen
Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung. So seien im März und April an
den VW-Standorten Emden (56,0 Prozent) und Wolfsburg (52,2 Prozent)
für mehr als die Hälfte aller dort sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt worden. Der bundesweite
Durchschnitt habe im April gut 31 Prozent betragen.

Überdurchschnittlich viel Kurzarbeit sei auch in
Fremdenverkehrsregionen angemeldet worden. So wiesen die Landkreise
Breisgau-Hochschwarzwald (41,4 Prozent), Oberallgäu (40,4 Prozent)
und Garmisch-Partenkirchen (35,1 Prozent) hohe Quoten auf. An der
Nord- und Ostseeküste treffe dies unter anderem auf Wittmund (35,6
Prozent), Ostholstein (34,7 Prozent) und Vorpommern-Rügen (35,5
Prozent) zu.

Vergleichsweise wenig Kurzarbeit ist dagegen in Städten mit starken
Chemie- und Pharmaunternehmen angemeldet worden. Für den
BASF-Standort Ludwigshafen ermittelten die Wissenschaftler eine
Kurzarbeitsquote von 11,6 Prozent und für den Bayer-Standort
Leverkusen von 16,2 Prozent. Das seien die niedrigsten Quoten
angezeigter Kurzarbeit in Deutschland. Die Chemie- und die
Pharmabranche sei weit weniger betroffen on Auftrags- und
Produktionsrückgängen als der Maschinen- und Kraftfahrzeugbau.

Kurzarbeit sei vor allem in Regionen mit unterdurchschnittlichen
Beschäftigungsanteilen von Großbetrieben angezeigt worden. Die Krise
habe «viele kleinere Betriebe hart getroffen und die haben schnell
mit Kurzarbeit reagiert», betonte WSI-Forscher Helge Emmler. Die
Ergebnisse der Untersuchung wiesen damit auf einen bedarfsgerechten
Einsatz der Kurzarbeit hin.

Die Forscher hatten Regionaldaten der Bundesagentur für Arbeit (BA)
zur angemeldeten Kurzarbeit ausgewertet. Diese Zahlen dürften
deutlich höher sein als die der tatsächlich kurzarbeitenden
Beschäftigten. Die Unternehmen hätten oft vorsorglich für größere

Gruppen Kurzarbeit angemeldet. Regionale Daten zur tatsächlich
realisierten Kurzarbeit würden erst in einigen Monaten vorliegen.

Trotz des massenhaften Einsatzes der Kurzarbeit sei aber auch die
Arbeitslosigkeit gestiegen - ebenfalls mit beachtlichen regionalen
Unterschieden. Besonders starke Corona-bedingte Anstiege der
Arbeitslosenquoten hatten nach WSI-Berechnungen in den
Tourismusregionen Vorpommern-Rügen (3,2 Prozentpunkte) und Wittmund
in Ostfriesland (2,6 Prozentpunkte) zu verkraften. Aber auch in
Berlin (2,5 Prozentpunkte), Garmisch-Partenkirchen (2,4
Prozentpunkte), dem Berchtesgadener Land und in Wilhelmshaven (beide
2,3 Prozentpunkte) sei die Arbeitslosenquote deutlich gestiegen. Im
Bundesmittel habe sich die Quote von März bis Mai Corona-bedingt um
1,3 Prozentpunkte erhöht.