Guildo Horn kann Corona-Krise nichts Positives abgewinnen

28.06.2020 07:00

Trier (dpa) - Sänger und Entertainer Guildo Horn (57) vermisst in der
Corona-Krise vor allem richtige Konzerte mit seinen Fans. «Das ganz
nahe, schweißtriefende Horngetue auf der Bühne fehlt mir zusehends.
Ich werde auch immer bauchiger um den Bauch, trage quasi einen
Coronaranzen», sagte Horn der Deutschen Presse-Agentur. Er habe zwar
auch ein paar Drive-In-Konzerte gespielt und Danke-Ständchen für
Social Media und fürs Radio gesungen - aber das sei nicht dasselbe.

Er könne dieser Ausnahmezeit nichts Positives abgewinnen: «Beruflich
ist das Ganze hier ein mittlerer Totalschaden für meine Band, meine
Crew und mich. Wie überall in der Unterhaltungs- und Kulturbranche
eben.» Als «Lebenskünstler» würden sie als erste und als letzte
wieder «angeknipst». «Hoffentlich aber bald mal wieder.» Und: Die
Unterteilung in systemrelevant und nicht habe ihn «geschmerzt». «In
einem Gesellschaftssystem ist jeder relevant!», sagte Horn. Und als
Künstler «in diesen strammen Zeiten» allemal.

Die größte Belastung im Lockdown sei für ihn «der moderne Zweikampf

Homeoffice, Homeschooling» gewesen. Mit zwei kleinen Kindern sei dies
eine «extrem große Aufgabe». «Ständig am Start sein zu müssen,
geht
ganz schön an die Energiereserven», sagte Horn, der 1998 mit der Band
«Die Orthopädischen Strümpfe» beim Eurovision Song Contest (ESC) in

Birmingham mit «Guildo hat euch lieb!» den siebten Platz belegte.

Immerhin habe er in der Krise gelernt, «innerhalb von den fünf
Minuten, die mir manchmal nur zur Verfügung standen, vier Texte zu
schreiben», sagte der gebürtige Trierer. Und: «Weil ich hier
gezwungen war, mich selber musikalisch zu begleiten, kann ich jetzt
besser Gitarre spielen und bin obendrein mit der Technik meines
Homestudios vertraut geworden. Dafür ist mein Resthaar bis hin zum
Inneren des Torsos ergraut.»

Seine Reisepläne für den Sommer habe er mit seiner Frau
gestrichen: «Eigentlich wollten wir gen Schweden, aber wir haben es
uns plötzlich anders überlegt.» So werde er zuhause im Bergischen
Land die Zeit genießen. «Im Grünen, am Waldrand, weit ab von vielen
Menschenansammlungen mit meiner Kleinfamilie, meiner
Bierdeckelsammlung und meinen fünf Laufenten.»