Zurückgeholte Touristen müssen 200 bis 1000 Euro zahlen Von Michael Fischer, dpa

26.06.2020 16:59

Es war die größte Rückholaktion für deutsche Staatsbürger seit de
m
Zweiten Weltkrieg. Zehntausende wegen der Corona-Pandemie Gestrandete
wurden nach Hause gebracht. Jetzt wird abgerechnet.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung stellt den wegen der
Corona-Pandemie aus dem Ausland zurückgeholten 67 000 Touristen 200
bis 1000 Euro für die Flüge in Rechnung. Damit sollen 40 Prozent der
Gesamtkosten der historisch bisher einmaligen Aktion von 94 Millionen
Euro gedeckt werden. Die Kostenbeteiligung der Gestrandeten wird
gestaffelt: Für Flüge von den Kanarischen Inseln und Nordafrika
müssen 200 Euro gezahlt werden, für das südliche Afrika und die
Karibik werden 500 Euro fällig, Rückkehrer aus Südamerika und Asien
müssen 600 Euro zahlen, und wer aus Neuseeland und Australien
zurückgeholt wurde, erhält eine Rechnung über 1000 Euro.

«Mit der Pauschalenlösung hat sich die Bundesregierung für eine
transparente und möglichst unbürokratische Lösung entschieden, welche

die Gleichbehandlung aller Reisenden zum Ziel hat», hieß es am
Freitag aus dem Auswärtigen Amt. Man stehe damit außerdem «im
Gleichklang» mit Regelungen in anderen EU-Ländern.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte die Aktion am 17. März
zusammen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften gestartet,
nachdem viele Länder wegen der Corona-Pandemie kurzfristig Grenzen
geschlossen und Flugverbindungen gekappt hatten. Insgesamt wurden
etwa 240 000 Reisende zurückgebracht. Die Reiseveranstalter flogen
die Touristen, die bei ihnen gebucht hatten, selbst kostenlos aus.

Für Individualtouristen und andere Rückkehrwillige wie beispielsweise
Geschäftsreisende charterte das Auswärtige Amt selbst Maschinen, die
260 Flüge absolvierten und rund 67 000 Menschen aus rund 65 Ländern
zurückbrachten. Die werden nun zur Kasse gebeten. Die Ticketpreise
liegen etwa im Bereich günstiger Economy-Tickets für die jeweiligen
Regionen.

Unter den 67 000 Passagieren sind etwa 56 000 deutsche
Staatsangehörige, 7600 Menschen aus anderen EU-Ländern und 3650
Personen aus Staaten außerhalb der Europäischen Union. Den
ausländischen Passagieren werden dieselben Kosten in Rechnung
gestellt wie den Deutschen.

Eine Kostenbeteiligung der Passagiere ist im Konsulargesetz
festgeschrieben. Außer ihnen beteiligt sich auch die EU mit
Zuschüssen an den Flugkosten. Die deutschen Steuerzahler sind unter
dem Strich dann noch mit 23 Millionen Euro oder 24 Prozent an der
Aktion beteiligt.

Das Ausmaß der vom Außenminister als «Luftbrücke» betitelten
Operation war deutlich größer als anfangs erwartet. Zunächst ging man

von 30 000 Gestrandeten aus, dann schnellten die Zahlen immer weiter
in die Höhe. Maas sagte einmal, er habe sich zwischenzeitlich als
«Chef des noch einzigen offenen Reisebüros in Deutschland» gefühlt.

Das Protokoll, das sonst die Ministerreisen organisiert, wurde
teilweise in das Krisenreaktionszentrum integriert. Insgesamt waren
mehr als 2000 Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes - ein Drittel der
Belegschaft - mit der Aktion beschäftigt.

Der abgelegenste Ort, aus dem Deutsche zurückgeholt wurden, liegt
mehr als 16 000 Kilometer entfernt mitten im Südpazifik. Die
Cook-Inseln, ein Taucherparadies am anderen Ende der Welt. Von dort,
aus West-Samoa sowie aus den pazifischen Inselstaaten Vanuatu und
Tonga wurden mit zwei Flugzeugen 66 Deutsche sowie 34 weitere
EU-Bürger abgeholt. Aus Neuseeland, Marokko, Südafrika oder
Argentinien mussten dagegen jeweils mehr als 10 000 Deutsche
ausgeflogen werden.

Der letzte Charterflug des Auswärtigen Amts aus Kapstadt landete am
24. April in Frankfurt am Main. Eine Wiederholung wird es wohl so
schnell nicht geben - auch nicht bei einer zweiten großen
Corona-Welle. Das hat Außenminister Maas mehrfach betont. Unter
anderem deswegen gilt auch die Reisewarnung für alle Länder außerhalb

Europas zunächst einmal weiter.