Virologe Schmidt-Chanasit warnt vor vielen Fans in Stadien

26.06.2020 11:56

Berlin (dpa) - Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit macht
Sportfans wenig Hoffung, dass sie in der kommenden Saison wieder
massenhaft in die Stadien strömen können. Mit Blick auf ein großes
Fußballstadion sagte Schmidt-Chanasit der Deutschen Presse-Agentur:
«Wenn wir da 300 Fans reinlassen, das geht natürlich, die kann man
auseinandersetzen, da kann man auch noch halbwegs einschreiten.»

Bei größeren Zuschauermengen hingegen werde es schwierig, die
Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln zu gewährleisten, sagt der
Mediziner: «Wenn da 10 000 Fans sind - auch wenn das weniger sind als
das maximale Fassungsvermögen - wird das alles schwieriger und es
sind dann auch immer mehr Leute dabei, die sich eben nicht an die
Regeln halten.»

Sehr wichtig sei auch die Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten,
wenn es zu einem Corona-Ausbruch kommen sollte, betont
Schmidt-Chanasit: «Bei riesigen, unkontrollierten Veranstaltungen
weiß ich nicht, wer wann wo war. Wenn ich das nachvollziehen kann,
ist das eine zusätzliche Sicherheit. Dann kann ich das im schlimmsten
Fall noch irgendwie unter Kontrolle bringen, das ist ja das
Entscheidende.»

Die Wahrscheinlichkeit einer Virus-Übertragung hänge aber nicht nur
von der Zahl der Zuschauer ab, sondern auch von ihrem Verhalten, sagt
Schmidt-Chanasit: «Es können 300 Leute auf der Tribüne sitzen, eine
Maske tragen und zwei Stunden kein Wort sagen - da ist die
Wahrscheinlichkeit sehr gering», erläutert er. «Auf der anderen Seite

sitzen eben eine Stunde Leute vielleicht sogar mit Abstand aber ohne
Maske und brüllen eine Stunde - da hilft dann der Abstand von 1,50
Metern auch nur noch sehr begrenzt, weil Tröpfchen eben auch mal
weiter fliegen können.» Ein besonderes Risiko herrsche in dieser
Hinsicht also bei Sportarten, bei denen Fans sehr emotional
mitfieberten.