Nach Todesfall: US-Bürgermeisterin lehnt Rücktritt von Polizeichef ab

26.06.2020 09:37

Tucson (dpa) - Ein neuer mutmaßlicher Fall von Polizeigewalt gegen
Nicht-Weiße in den USA hat die Stadt Tucson im Staat Arizona
erschüttert. Bürgermeisterin Regina Romero lehnte am Donnerstag
(Ortszeit) jedoch das Rücktrittsangebot von Polizeichef Chris Magnus
ab, wie aus einer Erklärung auf Twitter hervorgeht. Magnus war in die
Kritik geraten, weil die Polizei den Fall eines bereits im April bei
einem Polizeieinsatz gestorbenen Mannes mit lateinamerikanischen
Wurzeln nicht viel früher öffentlich gemacht hatte.

Romero schrieb zwar, über den Rücktritt habe nicht sie zu
entscheiden. Sie wolle aber, dass Magnus bleibe und die von ihm
angestoßenen Polizeireformen fortführe. Das Polizeivideo zu dem
Einsatz am 21. April wurde am Mittwoch erstmals öffentlich im Rahmen
einer Pressekonferenz mit dem Polizeichef gezeigt.

Demnach rang der 27-jährige Carlos Adrian Ingram López bei dem
Einsatz in einer dunklen Garage des Hauses seiner Großmutter zunächst
mit den Beamten, dann bekam er Handschellen an und wurde mit dem
Gesicht nach unten auf den Boden gedrückt - «etwa zwölf Minuten
lang», wie Magnus sagte. Der junge Mann war Medienberichten zufolge
nackt, verzweifelt und rief unter anderem, er könne nicht atmen. Er
habe vor Ort einen Herzstillstand erlitten, so Magnus weiter.
Wiederbelebungsversuche seien erfolglos gewesen und sein Tod sei noch
dort festgestellt worden.

Gerichtsmediziner hätten bei dem 27-Jährigen einen hohen Kokaingehalt
im Organismus sowie ein vergrößertes Herz festgestellt. Die genaue
Todesursache habe aber nicht ermittelt werden können. Die beteiligten
Beamten - nach Magnus' Worten Weiße und Schwarze - hätten einer
internen Untersuchung zufolge während des Einsatzes aber gegen
verschiedene Regeln der Behörde verstoßen.

Dass das Video erst mit gut zwei Monaten Verzögerung veröffentlicht
wurde, erklärte Magnus mit «fehlerhafter Kommunikation» innerhalb der

Polizei sowie Verzögerungen wegen der Corona-Pandemie. Angesichts der
US-weiten Diskussion um Polizeigewalt gegen Nicht-Weiße nach dem Tod
des Afroamerikaners George Floyd trage der Vorfall nicht zum
Vertrauen in die Polizei bei, gestand er ein.