EU: Corona verändert Drogenkonsum - mehr Schnaps und weniger Kokain

25.06.2020 15:02

Lissabon (dpa) - Während der Corona-Krise sind europäische
Drogenkonsumenten in vielen Ländern von illegalen Rauschmitteln auf
Alkohol und auch andere, gefährlichere Substanzen umgestiegen. Die
Drogenproduktion sei jedoch in etwa gleich hoch geblieben, so dass
Zwischenhändler auf großen Mengen sitzen dürften, berichtete die
EU-Drogenbeobachtungsstelle mit Sitz in der portugiesischen
Hauptstadt Lissabon am Donnerstag.

Auch habe sich der Handel stärker ins Internet verlagert, und Dealer
hätten die Drogen nach Hause geliefert. Am stärksten sei der Konsum
von Kokain und synthetischen Drogen wie Ecstasy zurückgegangen,
schrieben die Autoren des 24-seitigen Berichts. Wegen der
Ausgehbeschränkungen habe es kein Nachtleben mehr gegeben, wo solche
Aufputschmittel am ehesten konsumiert werden. Auch sei der
Straßenverkauf kaum noch möglich gewesen.

Anders das Bild bei Cannabis: Gelegentliche Nutzer hätten den Konsum
eher eingeschränkt, stärker Abhängige hingegen ausgeweitet. Und: Vor

allem Cannabis-Nutzer seien auf Alkohol umgestiegen. Es sei aber auch
eine Zunahme bei gefährlicheren Drogen wie zum Beispiel dem aus einem
Lösungsmittel hergestellten GHB beobachtet worden. Langeweile im
Lockdown und Angstzustände seien hier in einer Umfrage genannt
worden. In mehreren Ländern sei auch eine Zunahme des privaten Anbaus
von Cannabis auf dem heimischen Balkon registriert worden.

Ob die Änderungen dauerhaft seien, könne noch nicht mit Sicherheit
gesagt werden. Es sei jedoch dringend geboten, die Entwicklung genau
zu beobachten, schrieb die EU-Drogenbeobachtungsstelle. Sie liefert
nur Daten und Statistiken - Prävention und Bekämpfung liegen in der
Zuständigkeit der EU-Staaten.