Frauen wechselten öfter ins Homeoffice - Männer vermissen das Büro

25.06.2020 11:35

Nürnberg (dpa) - Frauen haben in der Corona-Krise häufiger aus dem
Homeoffice gearbeitet als Männer - diese vermissen aber ihr gewohntes
Arbeitsumfeld mehr. Das zeigen Erhebungen des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg sowie des
Meinungsforschungsinstitutes YouGov im Auftrag der
Arbeitsbewertunsplattform Glassdoor. Sie lagen den Zeitungen der
Funke-Mediengruppe vor.

2019 - also vor Ausbruch der Pandemie - hatten dem IAB zufolge 35
Prozent der Befragten zumindest gelegentlich zu Hause gearbeitet.
Wegen der Corona-Krise nutzten rund 20 Prozent derjenigen, die zuvor
ausschließlich im Betrieb tätig gewesen waren, zumindest teils auch
das Homeoffice. Frauen wechselten mit 28 Prozent häufiger in die
heimatliche Umgebung als Männer mit 17 Prozent. Ein Grund: Männer
arbeiten öfter in der Produktion, Frauen häufiger in der Verwaltung.

In der YouGov-Umfrage gaben 47 Prozent derer, die derzeit im
Home-Office arbeiten an, so bald wie möglich an ihren Arbeitsplatz
zurückkehren zu wollen. 15 Prozent wünschen sich dagegen, nun
dauerhaft von zu Hause aus arbeiten zu können. Männer wollen deutlich
häufiger zurück zum klassischen Arbeitsplatz als Frauen.

Viele Befragte erwarten vom Arbeitgeber verbesserte Hygienekonzepte
am Arbeitsplatz - von der Lüftung bis Desinfektionsmitteln. 27
Prozent erwarteten, dass der Arbeitgeber Testkapazitäten bereithalte.

«Die neue Normalität im Beruf wird eine andere sein als vor der
Corona-Krise und Arbeitgeber tun gut daran, die Stimmung in der
Belegschaft bei den anstehenden Lockerungsmaßnahmen zu
berücksichtigen», sagte Glassdoor-Arbeitsmarktexperte Felix Altmann
den FUNKE-Zeitungen. Für die Umfrage hat YouGov Mitte Juni 1111
Berufstätige befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die
deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

27 Prozent der Befragten in der IAB-Studie waren im April oder Mai
aufgrund der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in Kurzarbeit. Wer in
der Produktion tätig ist, war mit 46 Prozent überdurchschnittlich von
Kurzarbeit betroffen. Die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden
sanken im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um 15 Prozent. Neben
Kurzarbeit spielte auch eine Rolle, dass deutlich seltener
Überstunden geleistet wurden. Mehr als die Hälfte der Befragten nahm
in der Krise Urlaub oder baute Arbeitszeitguthaben ab.