Minister-Appell an Unternehmen: Rechtzeitig um Hilfsanträge kümmern

25.06.2020 09:30

Bald fließen Überbrückungshilfen des Bundes an notleidende Betriebe.

Die Antragstellung wird nicht ganz einfach. Minister Buchholz sagt,
warum.

Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd
Buchholz (FDP) hat die Unternehmen im Land aufgerufen, sich
frühzeitig mit den geplanten Überbrückungshilfen des Bundes
auseinanderzusetzen. Er sei zuversichtlich, dass bereits Anfang Juli
aus dem 25-Milliarden-Euro-Programm erste Auszahlungen vorgenommen
werden können, sagte Buchholz der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit
werde auf Bundes- und Länderebene mit Hochdruck an der Ausgestaltung
des Programms gearbeitet. Im Gegensatz zu den Ende Mai beendeten
Soforthilfen könnten die neuen Überbrückungshilfen nur über
Steuerberater, Wirtschafts- und Buchprüfer beantragt werden.

«Zur Vorbereitung der Anträge sollten sich betroffene Unternehmer
also am besten rasch mit ihren Steuerberatern in Verbindung setzen -
oder sich auf jeden Fall einen Steuerberater suchen», sagte Buchholz.
Eine gute Vorbereitung und ein rechtzeitiges Beratungsgespräch seien
der sicherste Weg, die Zuschüsse zu erhalten. Hintergrund: Bie
Betriebe müssen bei Antragstellung einen massiven Umsatzrückgang
ebenso glaubhaft machen wie eine Prognose der betrieblichen
Fixkosten.

Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten
Überbrückungshilfen richten sich an kleine und mittelständische
Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten. Gedacht sind sie für die
von der Corona-Krise besonders hart getroffenen Branchen wie
Veranstalter, Gaststätten und Schausteller. Aber auch
Jugendherbergen, Schullandheime und Reisebüros sowie Einrichtungen
der Behindertenhilfe und Profisportvereine der unteren Ligen können
unterstützt werden.

Anträge dürften laut Bundesregierung aber aus allen
Wirtschaftsbereichen kommen, sagte Buchholz. Die Unternehmen müssen
nachweisen, dass ihr Umsatz im April und Mai verglichen mit dem
Vorjahreszeitraum um mindestens 60 Prozent eingebrochen ist. Außerdem
dürfen sie Ende 2019 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten
gewesen sein.

Viele Firmen könnten derzeit kaum Kredite beantragen, weil sie ihre
Umsatzausfälle perspektivisch nicht wieder reinholen könnten,
erläuterte Buchholz. Daher übernehme der Bund in den Monaten Juni bis
August einen Teil der betrieblichen Fixkosten. Buchholz bekräftigte
seine Kritik an dem kurzen Zeitraum der Überbrückungshilfen:
«Ursprünglich waren die Zuschüsse für sieben Monate mit einem
Maximalvolumen von 350 000 Euro statt nun 150 000 Euro angedacht.»

«Das hätte deutlich mehr Impulse ausgelöst», sagte Buchholz. Das La
nd
habe sich deshalb entschieden, die jetzigen Hilfen mit einem
Härtefall-Fonds in Höhe von 80 Millionen Euro zu flankieren. «Mit
diesem Darlehens- und Eigenkapitalprogramm wollen wir all diejenigen
unterstützen, die nicht ins Raster der Überbrückungshilfen passen,
aber ebenfalls unverschuldet vor der Insolvenz stehen.»