Südafrikas Wirtschaft auf Schrumpfkurs - Warnung vor Schuldenkrise

24.06.2020 16:49

Johannesburg (dpa) - Afrikas zweitgrößte Volkswirtschaft dürfte
dieses Jahr um 7,2 Prozent schrumpfen. «Das ist die größte
Schrumpfung seit fast 90 Jahren», sagte Finanzminister Tito Mboweni
am Mittwoch vor Parlamentariern. Der Kap-Staat erlebt zurzeit
verheerende Auswirkungen der Corona-Beschränkungen auf die
Wirtschaft, die sich schon vor der Virus-Krise in der Rezession
befand. Millionen Menschen kämpfen dort ums Überleben, die Armut ist
in wenigen Wochen dramatisch angewachsen. Allein für die Antwort auf
die Herausforderungen durch die Corona-Krise will der Staat auf den
internationalen Kapitalmärkten sieben Milliarden Dollar aufnehmen.

Mboweni bereitete das Land auf Steuererhöhungen und drastische
Ausgabenkürzungen vor. Bei der Vorstellung des Nachtragshaushalts
warnte er, bis zum Ende des Finanzjahres dürfte die Schuldenlast auf
knapp 82 Prozent des Bruttosozialprodukts anwachsen. Ohne sofortiges
Handeln drohe dem Land eine Schuldenkrise, wie sie Deutschland in den
1920er Jahren erlebt habe, so Mboweni. Dem Staat dürften in diesem
Jahr 300 Milliarden Rand (15,4 Mrd Euro) an Steuereinkommen fehlen.
Anders als noch in seiner Haushaltsrede im Februar geht er jetzt von
einem mehr als verdoppelten Budgetdefizit von 15,7 Prozent aus.

Südafrika mit seiner hohen Arbeitslosigkeit und enormen sozialen
Ungleichheit kämpft seit Jahren mit strukturellen wirtschaftlichen
Problemen und einer unzuverlässigen Stromversorgung. Problematisch
ist auch die starke Fokussierung auf den Rohstoffsektor - gerade
bremst die Coronakrise auch die Gold- und Platinproduktion aus.