Von außergewöhnlich bis eintönig - Abi-Partys in Zeiten von Corona Von Esra Ayari, dpa

24.06.2020 16:45

Für Schülerinnen und Schüler war das Corona-Jahr sehr schwierig. Es
gab viele offene Fragen und Unsicherheiten. Diejenigen, die das
Abitur geschafft haben, haben nun eigentlich doppelten Grund zu
feiern. Doch das ist nicht überall möglich.

Rheinbach (dpa/lnw) - Die Sonne strahlt mit den Abiturienten des
Städtischen Gymnasiums Rheinbach um die Wette: Sie haben es
geschafft! Und das gilt nicht nur für das Abitur, sondern auch für
die Organisation der dazugehörigen, recht ungewöhnlichen Abi-Feier.
Denn die hübsch gekleideten Schülerinnen und Schüler stehen am
Mittwoch in einem Autokino. Manche halten ein Sektglas in der Hand,
viele ein Handy. «Coronabi» steht an einem Auto. Denn ohne Corona
wären sie nicht hier.

Das Virus hat in den vergangenen Monaten viele Dinge unmöglich
gemacht - auch Abifeiern gehörten zeitweise dazu. Die Kehrtwende kam
erst am vergangenen Samstag (20. Juni). Nach der neuen
Coronaschutz-Verordnung des Landes sind unter Auflagen wieder
Abschluss- und Abi-Partys in NRW erlaubt. Ein bisschen Kreativität
ist dennoch gefragt. Die Ergebnisse sind ziemlich unterschiedlich.
Beim Städtischen Gymnasium Rheinbach war die Schulleitung schon vor
vielen Wochen auf die Idee mit dem Autokino gekommen, das genug Raum
bietet, um Abstände einzuhalten.

«Ich bin einfach nur froh», sagt Schülerin Jasmin, die
Erinnerungsfotos mit ihren Klassenkameraden macht. Eine «ganz
normale» Abifeier wäre auch nett gewesen - dass sie ihr Abitur nun in
einem Autokino feiere, sei aber «außergewöhnlich und toll». Allein

das Foto von der Stufe ist eine Besonderheit. Alle Abiturienten
stehen neben Autos, in denen ihre Familienangehörigen sitzen.

Anders sieht es bei Dilara Bartsch in Köln aus. «Was wir machen, kann
man eigentlich keinen Abi-Ball nennen», sagt die 20-Jährige. Die 70
Abiturienten ihrer Schule seien in mehrere Gruppen mit maximal 18
Personen unterteilt worden. Für jede Gruppe sei eine Stunde geplant,
bei der sie in der Schule ihre Abiturzeugnisse überreicht bekommt.
«Es ist sehr klein, es gibt kein Essen, alles sehr eintönig.»

Als jüngstes von fünf Kindern habe sie ihre Geschwister stets auf die
Abi-Feiern begleitet, sagt Dilara. Und dabei gedacht: Irgendwann bin
ich selbst mal dran. Das Virus hat einen Strich durch die Rechnung
gemacht. «Es ist nicht schön und sehr schade. Ich kann es immer noch
nicht begreifen.»

Das Problem: Ursprünglich hätte Dilaras Stufe einen Festsaal
gemietet. Als das Verbot von Großveranstaltungen kam, wurde dieser
storniert. Als die Partys doch erlaubt wurden, sei es zu spät
gewesen. «Weil wir es nicht geschafft hätten, bis Donnerstag die
geplante große Feier auf die Beine zu stellen.»

Sophie Halley von der Landesschüler*innenvertretung NRW kritisiert
deswegen das Land. «Wir hätten uns eine transparentere und frühere
Entscheidungsfindung gewünscht», sagt sie. Viele Stufen hätten - wie

in Dilaras Fall - schon Wochen und Monate vorher angefangen, ihre
Abi-Partys zu planen, sagte Halley. «Jetzt ist es aber zu spät.»

Nicht für die Abschlussklasse des Gymnasiums Rheinbach. Bei der
Ausfahrt vom Autokino steigen die Schülerinnen und Schüler aus den
Autos aus und nehmen ihre Zeugnisse entgegen. Es gibt sogar einen
Roten Teppich. Das Wort «Ungewissheit» fasse ihre Abiturphase am
besten zusammen, sagt Abiturientin Jasmin. Gewiss ist nun, dass sie
ihr «Coronabi» in der Tasche hat.