IWF-Prognose: Konjunktur bricht stärker ein - Ifo-Index steigt

24.06.2020 15:23

Der Internationale Währungsfonds rechnet jetzt weltweit mit einer
noch schlimmeren Rezession als Folge der Corona-Pandemie. Das gilt
auch für Deutschland. Dort allerdings steigt die Stimmung in den
Unternehmen wieder.

Washington/München (dpa) - Der Internationale Währungsfonds (IWF)
erwartet als Folge der Corona-Krise eine noch ausgeprägtere
Rezession, sowohl weltweit als auch in Deutschland. Dadurch dürften
sich Armut und Arbeitslosigkeit verschärfen. In einer am Mittwoch
vorgestellten Konjunkturprognose rechnet der IWF für 2020 mit einem
Einbruch der Weltwirtschaftsleistung um 4,9 Prozent. Im April hatte
der IWF einen Rückgang um 3 Prozent vorhergesagt. Im Januar, vor der
Ausbreitung des Coronavirus, hatte der IWF sogar noch ein Wachstum
von 3,3 Prozent erwartet. Ein positives Signal kam hingegen aus den
deutschen Unternehmen. Deren Stimmung hat sich im Juni kräftig
erholt.

Das Ifo-Geschäftsklima stieg im Vergleich zum Vormonat um 6,5 Punkte
auf 86,2 Zähler, wie das Ifo-Institut am Mittwoch in München
mitteilte. Dies sei der stärkste jemals gemessene und der zweite
Anstieg des wichtigen Konjunkturindikators in Folge, nachdem er im
März und April drastisch eingebrochen war. Die Unternehmen bewerteten
ihre momentane Lage im Juni etwas besser, die Zukunftsaussichten
sogar wesentlich besser. «Die deutsche Wirtschaft sieht Licht am Ende
des Tunnels», bemerkte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Das
Geschäftsklima stieg in allen Bereichen an, also in der Industrie,
unter Dienstleistern, im Handel und am Bau.

Die Gruppe der Industrieländer wird nach Einschätzung des IWF
besonders von der Corona-Krise betroffen sein. Für die Länder der
Eurozone geht der IWF in diesem Jahr von einem Wirtschaftseinbruch
von 10,2 Prozent aus. Für Frankreich, Italien und Spanien
prognostiziert der IWF in diesem Jahr nun ein deutlich stärkeres
Minus um jeweils mehr als 12 Prozent. Für die USA, die weltgrößte
Volkswirtschaft, erwartet der IWF einen Rückgang um 8 Prozent
(April-Prognose: 6,1 Prozent).

In Deutschland soll das Bruttoinlandsprodukt um 7,8 Prozent
schrumpfen, wie der IWF mitteilte. Im April war der Währungsfonds
noch von 7,0 Prozent ausgegangen. Die «Wirtschaftsweisen» des
Sachverständigenrats der Bundesregierung hatten in ihrer Prognose vom
Dienstag mit einem Rückgang um 6,5 Prozent gerechnet.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet sogar
ein Minus von mehr als 9 Prozent. DIW-Präsident Marcel Fratzscher
sagte im RBB-Inforadio: «Wir müssen uns im zweiten Halbjahr, nach dem
30. September, auf eine massive Insolvenzwelle einstellen, einfach
weil viele sagen" ich kriege doch nicht die Kurve.»

Der globale Wirtschaftseinbruch bedeute «einen katastrophalen Schlag
für den Arbeitsmarkt», erläuterte der IWF. Besonders betroffen davon

seien die ärmeren und weniger gebildeten Arbeitnehmer, die meist
nicht von Zuhause arbeiten könnten, hieß es. Wegen der Pandemie
würden viele Menschen erneut in die Armut abrutschen. Auch die
zeitweise Schließung von Schulen treffe Kinder in ärmeren Staaten
besonders hart, erklärte der IWF.

Für kommendes Jahr rechnet der IWF weiterhin mit einer Erholung. Die
globale Wirtschaft soll demnach 2021 um 5,4 Prozent zulegen - das
wären 0,4 Prozentpunkte weniger als im April prognostiziert. Die
Länder der Eurozone sollen um 6 Prozent wachsen, Deutschlands
Wirtschaft um 5,4 Prozent.

Die in Washington ansässige Organisation warnte zudem, dass sich die
Lage auf den Finanzmärkten trotz der Interventionen von Zentralbanken
wieder zuspitzen könnte. Die jüngste positive Entwicklung der Märkte

«scheint nicht mit den Veränderungen der zu Grunde liegenden
wirtschaftlichen Aussichten zusammenzuhängen», warnte der IWF. Sollte
es zu einer erneuten Zuspitzung der Lage an den Märkten kommen wie zu
Anfang des Jahres, drohten auch Schuldenkrisen, hieß es weiter.

Der IWF hat seit Beginn der Corona-Krise bereits an viele
Entwicklungs- und Schwellenländer Nothilfen vergeben, um deren
Wirtschaft und Wechselkurs zu stützen. Die Finanzierungen umfassen
bislang rund 25 Milliarden US-Dollar. Zu den größten Empfängern
gehörten unter anderem Ägypten, Pakistan, Nigeria und Ghana.