Corona-Massentests in Schlachthof in Niedersachsen gestartet

24.06.2020 13:38

Oldenburg/Wildeshausen (dpa) - Alle Mitarbeiter eines zur
Wiesenhof-Gruppe gehörenden Putenschlachthofs im niedersächsischen
Wildeshausen werden seit Mittwoch auf das Coronavirus getestet. Davon
betroffen sind mehr als 1100 Menschen. Am Dienstag waren bereits
Corona-Infektionen bei 23 Mitarbeitern festgestellt worden.

Die Proben würden von einem privaten Labor entnommen, aber «unter
enger Aufsicht des Gesundheitsamtes durchgeführt», sagte ein Sprecher
des Landkreises Oldenburg. «Es muss jetzt sehr schnell gehen.» Im
Laufe des Tages erwarte man zudem Ergebnisse von Tests vom Dienstag.
Dabei gehe es um etwa 150 direkte Kontaktpersonen der zum
Wochenbeginn ermittelten infizierten Mitarbeiter.

Betroffen ist ein mehrheitlich zur PHW-Gruppe (Wiesenhof) gehörender
Schlachthof. Das Unternehmen hatte erklärt, in den kommenden Tagen
nochmals alle Mitarbeiter testen zu lassen - Anfang Juni hatte es
bereits einen ersten Durchlauf gegeben. Der Landkreis stellte die
unmittelbaren Kontaktpersonen und Arbeitskollegen unter Quarantäne.

Unterdessen forderte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
(NGG) die sofortige Untersuchung aller Beschäftigten in der
niedersächsischen Fleischwirtschaft. In Teilen der Branche würden die
Hygieneregeln locker gehandhabt, wodurch Leiharbeiter,
Werkvertragsarbeiter und Stammbeschäftigte in ihrer Gesundheit
bedroht seien, sagte der für Oldenburg und Ostfriesland zuständige
NGG-Chef Matthias Brümmer. Bislang lehnt Niedersachsen erneute
Reihentests ab.

In den vergangenen Tagen sei es oft zum Austausch von Leiharbeitern
und Werkarbeitern gekommen, bei denen niemand die Herkunft erklären
könne, erklärte Brümmer. «Da entwickelt sich ein gewaltiges
Bedrohungspotenzial, das den Fortbestand einer ganzen Branche
gefährdet und die Gesundheit der Bevölkerung mit bedroht.»

Die Schlachtkonzerne PHW, Tönnies und Westfleisch hatten angekündigt,
zum Jahresende in großem Maße auf die umstrittene Werkarbeit
verzichten zu wollen. Die beengten Wohnverhältnisse von Werkarbeitern
gelten als Grund dafür, dass sich Krankheitserreger unter
Beschäftigten der Branche rasch ausbreiten können.