Studie zu Corona-Impfstoff: MHH sucht Probanden

23.06.2020 14:05

Hannover (dpa/lni) - Die Medizinische Hochschule Hannover testet den
potenziellen Corona-Impfstoff des Tübinger Pharmakonzerns Curevac an
Menschen. Gesucht würden bis zu 40 gesunde Probanden, die in den
nächsten drei bis vier Wochen geimpft werden sollten, sagte Prof.
Christoph Schindler von der Medizinischen Hochschule Hannover am
Dienstag. Im Vordergrund der klinischen Studie in Phase I stehe die
Untersuchung von Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs. Neben
der MHH seien Institute in Tübingen, München und im belgischen Gent
an der Studie beteiligt. Zuvor hatte die «Nordwest-Zeitung» in
Oldenburg berichtet.

Das Tübinger Unternehmen Curevac arbeitet an sogenannten
mRNA-Impfstoffen. mRNA ist eine Art Botenmolekül, in dem die
Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen steckt. Für ihren
Impfstoff haben die Curevac-Forscher mRNA mit der Bauanleitung für
ein Protein des Coronavirus Sars-CoV-2 versehen. Die menschlichen
Zellen bilden nach der Impfung dieses Protein, was der Körper als
fremd erkennt. Er bildet Antikörper und andere Abwehrzellen dagegen.

Außerdem liefen an der MHH zwei Phase-III-Impfstudien mit einem
gentechnisch verbesserten BCG-Impfstoff «VPM1002» gegen Tuberkulose,
sagte Schindler. In der ersten Studie würden Ärzte, Schwestern und
Rettungsdienstpersonal, die regelmäßigen Patientenkontakt hätten,
placebokontrolliert untersucht. Die zweite Studie befasse sich mit
älteren Menschen über 60.

Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung (HZI) hatte zuvor auf Hinweise verwiesen, nach
denen der Tuberkulose-Impfstoff BCG vor viralen Infektionen bei
Menschen schützen könne. Ob diese Immunantwort auch einen gewissen
Schutz gegen die Infektion mit SARS-CoV-2 vermittele, sei bislang
nicht bekannt.

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten bis
Ende des Jahres ein oder zwei Impfstoffe gegen das Coronavirus
vorliegen. Nach Angaben der WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya
Swaminathan wird derzeit an rund 200 möglichen Impfstoffen geforscht,
ein knappes Dutzend werde schon am Menschen getestet.