Tönnies will Werkverträge in «Kernbereichen» abschaffen

23.06.2020 13:55

Münster (dpa/lnw) - Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies
reagiert auf die massive Kritik an der großen Zahl an
Werksangestellten. Bis Ende 2020 sollen alle Werkverträge «in allen
Kernbereichen der Fleischgewinnung» abgeschafft und die Mitarbeiter
in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden. Das teilte
Tönnies am Dienstag in Rheda-Wiedenbrück mit.

Tönnies reagierte damit auf die Kritik an dem System, mit
Werkverträgen die Lohnkosten zu drücken. Nach einem Corona-Ausbruch
in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück hat das Land
Nordrhein-Westfalen am Dienstag angekündigt, das öffentliche Leben im
Kreis Gütersloh stark einzuschränken.

Das Bundeskabinett hatte als Konsequenz aus früheren
Corona-Ausbrüchen in der Branche Ende Mai beschlossen, Werkverträge
weitgehend zu verbieten - also dass die Ausführung von Arbeiten bei
Subunternehmern eingekauft wird. Das Schlachten und Verarbeiten von
Fleisch soll ab 1. Januar 2021 nur noch mit Arbeitnehmern des eigenen
Betriebes zulässig sein.

Tönnies kündigte zudem an, eine digitale Zeiterfassung an allen
deutschen Standorten für die Arbeiter einzuführen. Der
nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)
hatte wiederholt Kritik an der fehlenden digitalen Zeiterfassung
geübt. «Der Tönnies kann Ihnen sagen, von welchem Schwein die
Mettwurst ist - er kann aber keine digitale Zeiterfassung machen»,
sagt Laumann am Montag in der ARD-Sendung «Hart aber fair».

Außerdem will das Unternehmen nach eigenen Angaben ausreichenden und
angemessenen Wohnraum für die Beschäftigten der Unternehmensgruppe an
den Standorten schaffen. Auch dieser Punkt soll möglichst bis zum 1.
Januar 2021 umgesetzt werden. Nach Angaben eines Tönnies-Sprechers
könne es aber beim Thema Wohnen in den verbleibenden sechs Monaten
bis Ende 2020 ein Zeitproblem geben.

«Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren. Dafür
brauchen wir die gesellschaftliche Akzeptanz», sagt Clemens Tönnies
als Mitinhaber. «Dies gilt über alle Ketten der Fleischproduktion und
schließt ausdrücklich die Landwirtschaft mit ein.»

Der Tönnies-Konkurrent Westfleisch hatte am Dienstag angekündigt, bis
Ende des Jahres alle Mitarbeiter selbst einzustellen und auf
Werkvertragsanbieter zu verzichten.