Wegfall des Religionsunterrichts sorgt für Unmut

21.06.2020 06:30

Stuttgart (dpa/lsw) - An vielen Schulen in Baden-Württemberg fällt
derzeit der Religionsunterricht aus - das sorgt zunehmend für Unmut.
«Ich habe große Sorgen um unser Fach», sagt die evangelische
Schuldekanin Amrei Steinfort aus Balingen. Derzeit hänge es sehr vom
jeweiligen Schulleiter ab, ob das Fach als wichtig angesehen werde.
Das Kultusministerium müsse zum nächsten Schuljahr verbindlich dafür

sorgen, dass Religion wie alle kleinen Fächer wieder in den
Präsenzunterricht komme.

«Im aktuellen Schulbetrieb, der aufgrund der Corona-Pandemie leider
eingeschränkt ist, müssen wir uns auf die Kernfächer konzentrieren»
,
erklärte eine Ministeriumssprecherin in Stuttgart. «Das sind in den
Grundschulen Deutsch, Mathematik sowie Sachkunde; in den
weiterführenden Schulen sind dies Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen
sowie weitere Fächer, je nach dem, wie viele Kapazitäten vor Ort zur
Verfügung stehen. Wir haben den Schulen hier bewusst Spielräume
gelassen, dies entspricht auch dem Wunsch der Schulleitungen.»

Die beiden Fachverbände evangelischer Religionslehrer in Baden und
Württemberg forderten Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) in
einem Brief dazu auf, dass das Fach im kommenden Schuljahr in allen
Stundentafeln berücksichtigt werde: Für den Religionsunterricht
dürften keine anderen Regeln gelten als für andere Fächer, «zumal e
r
nach Artikel 18 unserer Landesverfassung eigens hervorgehoben wird».
Gerade in Corona-Zeiten sei das Fach wichtig. Es biete Kindern und
Jugendlichen die Möglichkeit, sich «über die besonderen Erfahrungen
dieser Krisenzeit auszutauschen, ihre Sorgen zu thematisieren und
Orientierung zu bieten».

Der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst,
sieht das ähnlich: «Der spezifische Beitrag, den der
Religionsunterricht zur Bewältigung der Corona-Krise und zur
Thematisierung existenzieller Fragen leisten kann, ist nicht hoch
genug zu bewerten.» Religionslehrer seien immer auch unterstützend
und seelsorgerlich an den Schulen präsent. «Deshalb setzte ich mich
dafür ein, dass der Religionsunterricht so schnell wie möglich wieder
in vollem Umfang erteilt werden kann.»