601 registrierte Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland

20.06.2020 20:14

Corona-Ausbrüche wie beim Schlachtereiunternehmen Tönnies lassen die
Fallzahlen in Deutschland gerade merklich steigen. Bisher sieht das
Robert Koch-Institut aber weiterhin keinen Grund zu Besorgnis.

Berlin (dpa) - Innerhalb von 24 Stunden haben die Gesundheitsämter in
Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) 601 neue Infektionen mit
dem Coronavirus gemeldet. Bereits am Vortag hatte die Zahl mit 770
Fällen merklich höher gelegen als an den Vortagen. Die Zunahme der
Fallzahlen sei insbesondere auf größere Ausbrüche in
Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin zurückzuführen, hieß es vom
RKI.

Wegen eines Ausbruchs in einem Fleischereibetrieb überschreitet der
ostwestfälische Kreis Gütersloh den von Bund und Ländern vereinbarten

Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen binnen einer Woche je 100 000
Einwohner derzeit klar. Bis Samstag stieg die Zahl erfasster
Neuinfektionen auf deutlich über 1000. Für viele Mitarbeiter des
Schlachtunternehmens Tönnies standen noch Tests aus. Alle rund 6500
Tönnies-Mitarbeiter am Standort Rheda-Wiedenbrück mussten mitsamt
allen Haushaltsangehörigen in Quarantäne. «Wir haben keinen
signifikanten Eintrag von Corona-Fällen in die allgemeine
Bevölkerung», sagte der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg
Adenauer.

Insgesamt haben sich seit Beginn der Corona-Krise 189 135 Menschen in
Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am
Samstagmorgen meldete (Datenstand 20.6., 0.00 Uhr). 8883 nachweislich
mit dem Virus infizierte Menschen starben demnach in Deutschland.
Drei Covid-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen wurden bisher
übermittelt. Die Verstorbenen waren zwischen 3 und 18 Jahre alt und
hatten Vorerkrankungen. Etwa 174 400 Menschen haben die Infektion
nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit
Datenstand 20.6., 0.00 Uhr, bei 1,79 (Vortag: 1,06). Das bedeutet,
dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen
ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa
eineinhalb Wochen zuvor ab.

Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes Sieben-Tage-R an.
Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher
weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen stieg
dieser Wert mit Datenstand 20.6., 0.00 Uhr, auf 1,55 (Vortag: 1,17).
Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Dass die geschätzten Reproduktionszahlen (R-Wert und 7-Tages R-Wert)
leicht über 1 liegen, zeige, dass die Anzahl der Neuerkrankungen
momentan nicht weiter zurückgehe, hieß es vom RKI. Dies hänge mit den

lokalen Häufungen zusammen. «Da die Fallzahlen in Deutschland
insgesamt auf niedrigem Niveau liegen, beeinflussen diese Ausbrüche
den Wert der Reproduktionszahl relativ stark.» Ein genereller Anstieg
sei daraus bisher nicht abzuleiten.

Unter den übermittelten Covid-19-Fällen wurde dem RKI zufolge bisher
für gut 13 600 Fälle angegeben, dass die Betroffenen in medizinischen
Einrichtungen wie Krankenhäusern, ärztlichen Praxen,
Dialyseeinrichtungen oder Rettungsdiensten tätig waren. 73 Prozent
dieser Erkrankten waren demnach weiblich, 27 Prozent männlich. Im
Mittel waren die Betroffenen 41 Jahre alt, 20 von ihnen verstarben.