Neurologe: Schlafstörungen nehmen mit dem Alter zu

19.06.2020 06:00

Lärm und Stress sind häufige Ursachen dafür, wenn jemand nachts wach

liegt. Experten zufolge klagt rund ein Viertel der Bevölkerung über
Schlafstörungen. Die nehmen im Alter zu.

Jena (dpa/th) - Mit dem Alter wird es nach Experteneinschätzung für
viele Menschen schwieriger, nachts ein- und durchzuschlafen. Frauen
litten biologisch bedingt besonders häufig an solchen Insomnien. Aber
auch bei Männern seien Schlafstörungen Teil eines normalen
Alterungsprozesses, sagte der Jenaer Neurologe Matthias Schwab der
Deutschen Presse-Agentur. Er leitet das interdisziplinäre Schlaflabor
am Universitätsklinikum. «So wie man außen Falten bekommt, altert
auch das Gehirn, und man schläft schlechter durch und nicht mehr so
lang.» Das sei zwar für viele Betroffene belastend, aber
grundsätzlich nicht gesundheitsgefährlich.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) klagt ein Viertel der Bevölkerung
über Schlafstörungen - eine Einschätzung, die Schwab teilt. Zu den
häufigsten Ursachen zählen Lärm und Stress. Für manche Menschen
könnte deswegen die Corona-Krise verstärkt dazu führen, dass sie
schlechter schlafen. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag
der Techniker Krankenkasse zufolge schläft jeder Zehnte in der
Corona-Pandemie schlechter, unter den coronabedingt Gestressten sogar
jeder Vierte. Berichte über Schlafen in Corona-Zeiten finden sich
auch in sozialen Netzwerken unter Stichwörtern wie #coronaträume.

Solche Einflüsse seien theoretisch nachvollziehbar, in seiner
täglichen Arbeit habe er das aber noch nicht beobachtet, erklärte
Schwab. Das könne aber auch daran liegen, dass zuletzt viele Menschen
wegen der Pandemie den Gang in eine Praxis oder Klinik prinzipiell
eher gemieden hätten.

Wer Probleme beim Ein- und Durchschlafen habe, solle vor allem auf
die sogenannte Schlafhygiene achten, rät Schwab. Dazu zählten ein
kühles, dunkles, ruhiges Schlafzimmer und eine bequeme Matratze.
Helfen könnten auch Entspannungsübungen - etwa Yoga oder autogenes
Training. «Auch das landläufige Schäfchenzählen ist eine Form der
Entspannungsübung.» Empfindliche Menschen sollten auf das Fernsehen
oder die Handynutzung im Schlafzimmer wegen des Blaulichts
verzichten. «Licht ist ein Trigger dafür, dass wir geweckt werden.»
Generell gelte: Man solle so lange schlafen, dass man sich
ausgeschlafen fühle, sagte Schwab. «Das müssen nicht immer acht
Stunden Schlaf sein, bei manchem reichen auch fünf Stunden.»

Die Ursachen für Schlafstörungen können in einem Schlaflabor
untersucht werden. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung- und
Schlafmedizin hat bundesweit fast 290 solcher Labore akkreditiert, 14
davon in Thüringen. Entsprechende Einrichtungen gibt es unter anderem
in Gera, Sonneberg, Nordhausen, Erfurt und Meiningen. Am Sonntag (21.
Juni) wird der Tag des Schlafes begangen.