Flüge gestrichen: Argentinier segelt von Portugal nach Hause

19.06.2020 03:36

Mar del Plata (dpa) - Er wollte seine Eltern noch einmal sehen, doch
wegen der grassierenden Corona-Pandemie waren alle Flüge gestrichen.
Da setzte Juan Manuel Ballestero kurzentschlossen Segel und stach in
See. Nach einer dreimonatigen Atlantiküberquerung in einem kleinen
Segelboot von der portugiesischen Insel Porto Santo bei Madeira nach
Argentinien erreichte der 47-Jährige den Badeort Mar del Plata, wie
örtliche Medien am Donnerstag (Ortszeit) berichteten.

«Als das Coronavirus sich ausbreitete, starben in Europa 1000
Menschen am Tag und ich hatte Angst, meine Familie nie wieder zu
sehen», sagte er der Zeitung «La Nación». Mit 90 und 82 Jahren
gehören seine Eltern zur Risikogruppe. Weil es keine Flüge nach
Argentinien mehr gab, entschied sich Ballestero dazu, mit seinem 8,80
Meter langen Segelboot «Skua» die Überfahrt zu wagen. Er kaufte für

200 Euro Proviant und nahm Kurs auf Argentinien.

Ballestero ist ein erfahrener Skipper und hatte bereits 2011 einmal
den Atlantik überquert, dennoch brachte die Fahrt ihn und vor allem
sein Boot an die Grenzen. Mehrfach geriet er in heftige Stürme und
die Außenhaut des Boots bekam Risse. «Das Wasser stand mir bis zum
Bauchnabel», erzählte er.

Nach kurzen Zwischenstopps in Brasilien und Uruguay ist er nun im
Hafen seiner Heimatstadt Mar del Plata vor Anker gegangen. Allerdings
kann er seine Eltern Carlos und Nilda noch immer nicht in die Arme
schließen - vorher muss er noch die zweiwöchige Quarantäne auf seinem

Boot verbringen.

Ein Wunsch konnte nach einer Fahrt über 8000 Kilometer und 85 Tage
auf hoher See allerdings nicht länger warten. «Schickt mir ein
Schnitzel rüber», rief er seinen Freunden und Bekannten zu, die ihn
an der Hafenmole erwarteten.