Corona-Krise: neue Regeln, weniger Unfälle und diverse Sorgen

18.06.2020 17:05

Die Hessen können sich auf weitere Lockerungen pandemiebedingter
Einschränkungen einstellen. Derweil rückt eine Umfrage die Gemütslage

der Menschen in den Blick.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Erneut soll es in Hessen Lockerungen von
Beschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie geben.
Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warnte aber eindringlich
davor, im Land zu früh die Hygiene- und Abstandsregeln in der
Corona-Krise zu lockern. Es gebe keinen Anlass, die Grundlinie nicht
weiter zu verfolgen. Mittlerweile gibt es in Hessen 10 440 bestätigte
Infektionen, das waren laut Sozialministerium 54 mehr als am Vortag.
Die Zahl der Todesfälle stieg um zwei auf 498. Die Nachrichten von
Donnerstag im Überblick:

NEUE LOCKERUNGEN

Hessen lockert unter anderem die Corona-Regeln für Besuche in Alten-
und Pflegeeinrichtungen sowie für Veranstaltungen und den
Einzelhandel. Bouffier begründete die Maßnahmen mit den derzeitig
niedrigen Infektionszahlen. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
können künftig drei Mal in der Woche besucht werden. Menschen mit
Behinderung, die stationär betreut werden, sollen jeden Tag eine
Person empfangen dürfen. Diese Regelungen sollen ab 22. Juni gelten.

Für den Einzelhandel wurde nach Angaben des Regierungschefs
beschlossen, dass künftig ein Kunde pro 10 statt wie bisher pro 20
Quadratmeter Verkaufsfläche in die Geschäfte gelassen werden kann. Es
müssten aber weiterhin eine Alltagsmaske getragen und ein
Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Außerdem müssen
Veranstaltungen wie Theatervorstellungen, Konzerte und Feste mit bis
zu 250 Teilnehmern nicht mehr extra genehmigt und überwacht werden.
Voraussetzung bleibe aber ein Hygienekonzept.

BOUFFIER AUF SCHULBESUCH

In einer Schule in Riedstadt hat sich Ministerpräsident Bouffier
erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise ein Bild von der Situation
und Problemen vor Ort gemacht. In der Martin-Niemöller-Schule ließ er
sich das Hygiene-Konzepte erläutern und sprach mit Lehrern, Eltern
und Schülern. Er machte auch Hoffnung, dass nach den Sommerferien im
August an den Schulen wieder ganz normal Unterricht angeboten werden
kann, in vollen Klassenzimmern mit der regulären Stundenzahl. Eine
Garantie dafür könne es aber nicht geben, sagte Bouffier.

CORONA-UMFRAGE

Die Mehrheit der Hessen rechnet einer Umfrage zufolge mit einer
zweiten Welle der Corona-Pandemie in Deutschland. Das sagten 63
Prozent der Befragten, wie aus der von der Krankenkasse AOK Hessen in
Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung von 1000 Personen
hervorgeht. 18 Prozent waren der Ansicht, dass es bei der ersten
Welle bleiben wird. Für viele Hessen waren oder sind die
Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie demnach eine
Belastung: «Die Einschränkungen der sozialen Kontakte empfinden 19
Prozent - vor allem Frauen - als sehr belastend, weitere 38 Prozent
als eher belastend», so die AOK.

WENIGER UNFÄLLE

Im Corona-Monat April ist die Zahl der Unfälle mit Toten oder
Verletzten auf Hessens Straßen im Vergleich zum Vorjahresmonat um
rund ein Drittel zurückgegangen. Das teilte das Statistische
Landesamt in Wiesbaden mit. Von den 1370 Verunglückten seien 19
Menschen getötet worden - drei mehr als noch im selben Monat 2019.
310 Verkehrsteilnehmer (minus 11 Prozent) wurden im April 2020 schwer
und 1050 Menschen (minus 43 Prozent) leicht verletzt. Die
Beschränkungen gegen die Ausbreitung des Virus hatten in dem Monat
das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben erheblich
eingeschränkt - und so auch für ungewöhnlich leere Straßen gesorgt.


TERMINALBAU MIT VERZÖGERUNGEN

Die Corona-Krise wirbelt die Pläne für das neue Terminal 3 am
Frankfurter Flughafen durcheinander. Die Fertigstellung des
Hauptterminals und der Flugsteige H bis J werde sich nach jetzigem
Stand um ein Jahr auf 2024 verschieben, sagte ein Sprecher des
Flughafenbetreibers Fraport. Einzelne Baumaßnahmen hätten sich durch
die coronabedingten Einschränkungen verzögert. Der Passagierbetrieb
soll demnach voraussichtlich im Sommer 2025 aufgenommen werden, «eng
an die Nachfrage gekoppelt». Zuvor hatte die «Frankfurter Allgemeine
Zeitung» darüber berichtet. Der Bau des Flugsteigs G ist dem Sprecher
zufolge dagegen sehr weit fortgeschritten.