Bouffier besucht Schule - Nöte in der Corona-Krise

18.06.2020 13:03

Der Ministerpräsident vor Ort: In einer Schule hört sich Bouffier
Probleme und Nöte in der Corona-Krise an. Schnelle Abhilfe bei
Problemen kann er nicht versprechen. Aber er macht Hoffnung auf einen
regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien.

Riedstadt (dpa/lhe) - Eltern mit Tränen in den Augen,
Motivationsprobleme beim Homeschooling und Mangel an Computertechnik:
Hessens Regierungschef Volker Bouffier hat sich am Donnerstag in
Riedstadt erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise ein Bild von
Problemen vor Ort gemacht. In der Martin-Niemöller-Schule ließ sich
der CDU-Politiker zum Beginn seiner «EinBlick»-Tour Hygiene-Konzepte
erläutern und sprach mit Lehrern, Eltern und Schülern. Und er machte
auch Hoffnung, dass nach den Sommerferien im August an den Schulen
des Landes wieder ganz normal Unterricht angeboten werden kann, in
vollen Klassenzimmern mit der regulären Stundenzahl.

Eine Garantie dafür könne es aber nicht geben, sagte Bouffier. «Wir
sind sehr bemüht, nach den Sommerferien in den normalen Unterricht
zurück zu kommen», sagte Bouffier. Dies stehe allerdings unter
Vorbehalt der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde an Hessens Schulen Mitte
März der reguläre Unterricht eingestellt. Lernen mussten die Schüler

zu Hause. Nach den Osterferien kehrten sukzessive Jahrgänge zum
Präsenzunterricht in die Klassenzimmer zurück, allerdings nur in
Gruppen und an einzelnen Tagen. Am kommenden Montag soll nun in den
Grundschulen der tägliche Präsenzunterricht wieder aufgenommen
werden. Allerdings können die Eltern entscheiden, ob ihr Kind zur
Schule geht oder den Unterrichtsstoff zuhause lernt. Die Sommerferien
in Hessen beginnen am 6. Juli, der erste Schultag im neuen Schuljahr
ist der 17. August.

Bouffier hörte sich die Probleme an. «Unmut gibt es bei der Frage der
Digitalisierung», sagte der Schulleiter Martin Buhl dem
Regierungschef. Eltern seien Computer und Drucker zur Verfügung
gestellt worden, doch die hätten gar keinen Internetanschluss gehabt.
Die Server-Kapazitäten der Schule seien zu gering. Lehrerin Daniela
Muth erzählte davon, dass Eltern mit Tränen in den Augen in der Tür
standen, weil sie mit der ganzen Organisation nicht zurecht kamen.
Schüler berichteten über Motivationsprobleme beim Lernen zu Hause.
«In der Schule wird man gezwungen zuzuhören und man arbeitet vor sich
hin», sagte die Schülerin Kim. Das schwerste sei die Selbstdisziplin
gewesen.

Bouffier attestierte den Lehrern, Schülern und Eltern ein «hohes Maß

an Verantwortung und ein hohes Maß an Engagement». Schnelle Abhilfe
bei Mängeln konnte er aber nicht versprechen. «Wir werden
sicherstellen, dass jedes Kind eine entsprechende Ausrüstung
bekommt.» Es sei eine Situation gewesen, die keiner zu Lebzeiten
schon einmal gehabt habe. Und niemand wisse wie es weiter geht, ob es
eine zweite Infektionswelle gebe.

Er selbst sei «kein grandioser Schüler» gewesen, «und ich war auch

nicht immer gerne in der Schule», gestand Bouffier, der in den
kommenden Wochen auch noch andere Organisationen besuchen will. Die
Schüler wollen einhelliger Meinung nach zurück in die Klassenzimmer.
Sie hätten Freunde und Lehrer vermisst.