Umfrage: Jeder zweite Reisebusbetrieb fürchtet das Aus

17.06.2020 03:28

Bei manchem Betrieb stehen die teuren Busse seit einem Vierteljahr
fast nur auf dem Hof. Nun aber haben sie eine lange Fahrt vor sich.

Berlin (dpa) - Drei Monate nach Beginn der Kontakt- und
Reisebeschränkungen stecken viele Reisebusbetriebe in der Krise.
Durchschnittlich liegt der Gesamtschaden je Unternehmen bei gut einer
halben Million Euro, wie eine Branchenumfrage ergab, die der
Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Jeder zweiter Anbieter fürchtet
demnach das Aus. Weggebrochen seien in der Corona-Krise vor allem
Busreisen, Klassen- und Vereinsfahrten sowie Fahrten zu Konzerten.

Mit rund 1000 Reisebussen will die Branche am Mittwoch (10.00 Uhr) im
Berliner Regierungsviertel protestieren. Bei einer Sternfahrt zum
Brandenburger Tor fordern die Unternehmer mehr staatliche Hilfe.
Aufgerufen dazu haben der Internationale Bustouristik Verband RDA,
die Gütegemeinschaft Buskomfort und der Bundesverband Deutscher
Omnibusunternehmer (BDO).

«Die anrollende Pleitewelle im mittelständischen Busgewerbe ist das
Ergebnis einer bisher verfehlten Rettungspolitik», kritisierte
BDO-Präsident Karl Hülsmann. «Wenn für alle Wirtschaftszweige die
gleichen Hilfsmittel bereit stehen, dann ist das schlicht unfair für
jene Branchen, die schwerer betroffen sind.»

Knapp 240 000 Arbeitsplätze seien direkt oder indirekt vom
Bustourismus abhängig, betonte der BDO. Das geplante Konjunkturpaket
könne eine Pleitewelle nicht verhindern, hieß es vorab aus der
Branche. Notwendig sei eine angemessene finanzielle Entschädigung für
die monatelangen Reisebeschränkungen, eine Soforthilfe von mindestens
170 Millionen Euro.

Die Unternehmer fordern auch, die Abstandsregeln im Reisebus außer
Kraft zu setzen. Schließlich dürften Bahn und Flugzeug auch alle
Plätze besetzen.

In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Bus-Demonstrationen in
Berlin gegeben. Die Verkehrsbehörde teilte mit, in der Hauptstadt sei
am Mittwoch zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr mit erheblichen
Verkehrsbeschränkungen mit Auswirkungen auf das gesamte Stadtgebiet
zu rechnen. Dazu könnte auch eine angekündigte Fahrradsternfahrt für

mehr Klimaschutz beitragen.