Kreuzfahrtbranche erwartet Wachstum trotz Virus-Ausbreitung

15.02.2020 06:30

Der Kreuzfahrt-Tourismus in Asien ist vom Ausbruch der Krankheit
Covid-19 stark betroffen. Doch die Branche erwartet keinen
nachhaltigen negativen Einfluss auf ihr langfristiges Geschäft.

Hamburg (dpa) - Die Kreuzfahrtbranche wird durch das Covid-19-Virus
aktuell unter Stress gesetzt, erwartet aber dennoch in diesem Jahr in
Deutschland mehr Passagiere. «Im Moment gilt für die Branche
grundsätzlich: Das Thema hat höchste Priorität», sagte Helge
Grammerstorf, Deutschland-Direktor des internationalen
Kreuzfahrt-Verbandes CLIA, der Deutschen Presse-Agentur. «Die
Reedereien handeln verantwortlich und versuchen, kein Risiko
einzugehen.» Die Reisen würden entsprechend umgeplant.

Die Kreuzfahrtindustrie ist aktuell ebenso wie die Luftfahrt stark
von dem Virus betroffen. Asien zählt zu den wichtigen Zielgebieten
für Schiffe aus Amerika und Europa, und es gibt auch einen wachsenden
lokalen Markt. Nach dem Nachweis von inzwischen mehr als 200
Infektionen auf der vor Yokohama in Quarantäne liegenden «Diamond
Princess» zögern asiatische Länder, Kreuzfahrtschiffe überhaupt noc
h
in ihre Häfen einlaufen zu lassen. Die Passagiere des
Kreuzfahrtschiffes «Westerdam» konnten erst nach einer Irrfahrt durch
asiatische Gewässer in einem kambodschanischen Hafen von Bord gehen.

Die Reederei Aida stellte die Asienfahrten der «Aidavita» und
«Aidabella» wegen der Covid-19-Ausbreitung und zunehmender
Reiseeinschränkungen für diese Saison ein. Regulär hätte das Progra
mm
noch bis April gedauert, für jedes Schiff seien bis dahin noch vier
Reisen geplant gewesen, hieß es von Aida Cruises. «Die Schiffe werden
in andere Fahrtgebiete überführt.» Die Aida-Muttergesellschaft, der
US-amerikanische Konzern Carnival, teilte seinen Aktionären mit, dass
der Gewinn je Aktie wegen der Auswirkungen der Virusepidemie um 55
bis 65 Cent zurückgehen werde.

Mittel- und langfristig erwarte die Branche jedoch keine
Nachwirkungen, wenn die Krankheitswelle wieder abgeklungen sein wird.
«Wir hoffen, dass unsere Präventionsmaßnahmen die gewünschte Wirkun
g
zeigen und wir bald wieder in einen Zustand der Normalität übergehen
können», sagte Grammerstorf. Der seit Jahren anhaltende
Kreuzfahrt-Boom werde weitergehen. Die Schiffe seien gut gebucht. Die
Kreuzfahrtbranche rechne für das vergangene Jahr in Deutschland mit
einem zweistelligen Wachstum.