Deutsche Experten: Vorbereiten für Covid-19, aber Prognose schwierig

13.02.2020 19:45

Das neuartige Coronavirus sorgt seit Wochen international für
Aufregung. Auch wenn die Fallzahlen in Deutschland bisher sehr gering
sind, halten Experten Vorbereitungen für wichtig.

Berlin (dpa) - Nach dem schweren Covid-19-Ausbruch in China sind
mögliche Folgen in Deutschland laut Experten schwer abzuschätzen.
«Wir sind momentan nicht in der Lage, die Dynamik des Ausbruchs zu
prognostizieren», sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts
(RKI), Lothar Wieler, am Donnerstag in Berlin. Bei einer
Veranstaltung von Science Media Center und Nationaler Akademie der
Wissenschaften Leopoldina appellierte der Berliner Virologe Christian
Drosten zu gedanklicher Vorbereitung auch hierzulande. Ein Überblick:

AUSBREITUNG: Bisherige Daten deuten laut Wieler darauf hin, dass die
neue Lungenerkrankung Covid-19 in China ähnlich verläuft wie eine
schwere Grippewelle. China unternehme drastische Maßnahmen, so dass
sich das Virus bislang nicht größer außerhalb des Landes verbreitet
habe. Wichtig sei, dass es bislang bei den Ansteckungsketten
außerhalb Chinas immer einen Zusammenhang mit China gegeben habe.
«Das ist eine wichtige Aussage, weil man damit belegen kann, dass
sich das Virus noch nicht weit in der Welt verbreitet hat.»

VIRUS: Wie Drosten erklärte, vermehrt sich Sars-CoV-2 wie das
Influenzavirus im Rachen, was es ansteckender mache als anfangs
vermutet. Der Ursprung des Virus werde vielleicht nie gefunden, so
der Virologe der Berliner Charité. Berichte, Schuppentiere seien
die Quelle, halte er für wenig sinnvoll, da diese keine Fledermäuse
fräßen. Fledermäuse gelten als Virus-Reservoir. Möglicherweise habe

sich das Virus irgendwo in China Menschen angenähert, bevor es auf
dem Markt in Wuhan eingeschleppt wurde, von wo die ersten Fälle
gemeldet wurden. Es scheine so, als sei das Virus gut an den Menschen
angepasst, sagte Drosten.

STRATEGIE: Deutschland und andere Länder versuchen Wieler zufolge,
das Geschehen einzudämmen - bisher sei das «sehr, sehr erfolgreich».

Ziel in Deutschland ist es nach RKI-Angaben, eine Erkrankungswelle
hinauszuzögern. Möglichst vermieden werden soll demnach, dass eine
Covid-19- und die derzeit auch in Deutschland laufende Grippewelle
zusammenfallen. Drosten wies jedoch auf perspektivisch begrenzte
Möglichkeiten der Eindämmung hin: «Irgendwann wird es wahrscheinlich

dazu kommen, dass unbemerkte Infektionen plötzlich bemerkt werden.»

AB WANN IST ES EINE PANDEMIE? Von einer Pandemie könne man noch
nicht
sprechen und es bestehe auch die Chance, dass es keine werde, sagte
Wieler. «Das entscheidende Merkmal ist, dass es sich auf mehrere
Kontinente verbreitet. Das ist zurzeit schon der Fall.» Aber das
wichtigste - und bisher nicht erfüllte - Kriterium seien
Infektionsketten in der Bevölkerung, die sich nicht mehr
nachvollziehen lassen.

ZÄHLWEISE: Die derzeit aus China bekannten Zahlen seien mit Vorsicht
zu genießen, betonten die Experten. «Es sind Trends», so Wieler. La
ut
Drosten spiegeln die Werte eher Kapazitäten des Meldesystems wieder.

WER IST SCHULD? Drosten betonte, es handle sich um ein Naturphänomen

- mit dem Finger auf andere zu zeigen, sei unangebracht. Wichtig sei
vielmehr, dass sich jetzt jeder in Deutschland Wissen über die
Erkrankung aneigne und sich zum Beispiel frage, wie man Menschen mit
Grunderkrankungen in der Familie schützen könne.