Arzt in Österreich wegen Missbrauchs von 109 Jugendlichen angeklagt

10.02.2020 11:52

Wels (dpa) - Ein 57 Jahre alter Arzt ist in Österreich wegen des
mutmaßlichen Missbrauchs von 109 Kindern und Jugendlichen angeklagt
worden. Wie die Staatsanwaltschaft Wels am Montag mitteilte, sollen
40 von seinen Patienten dabei keine 14 Jahre alt gewesen sein. Neben
den «teils schweren sexuellen Missbrauchshandlungen» wird dem 57
Jahre alten Urologen vorgeworfen, Personen zum Dreh von Porno-Videos
von Minderjährigen angestiftet zu haben. Er selbst soll ein
pornografisches Foto eines Achtjährigen angefertigt haben. Außerdem
soll er Kinder und Jugendliche mit Cannabis versorgt haben. Zumindest
drei seiner Opfer haben laut einem Gutachten «schwere Folgeschäden»
davongetragen.

Bei dem Mediziner wurde laut Staatsanwaltschaft eine Pädophilie
festgestellt, «die den Grad einer schwerwiegenden psychischen Störung
erreicht». Dem Mann drohen bis zu 15 Jahre Haft. «Aufgrund der
Prognose, der Beschuldigte könne erneut strafbare Handlungen mit
schweren Folgen begehen, wurde - zusätzlich zur Verurteilung - auch
dessen Unterbringung in einer Anstalt beantragt», teilte die
Staatsanwaltschaft mit.

Die ersten Taten soll der Mann bereits im Jahr 2000 begangen haben.
Einige Vorfälle sollen sich auch außerhalb der Praxis ereignet haben,
als Tatort wird unter anderem Ägypten angegeben. Festgenommen wurde
der 57-Jährige im Januar 2019. Der Mediziner war durch die Anzeige
eines Opfers aufgeflogen. Die Ermittler durchforsteten daraufhin die
Patientenkartei und stießen so auf weitere Opfer.